Mittwoch, 5. Februar 2014
Curls get the girls
Eben ist mir eingefallen, an wen mich Niels Schneider erinnert: an M., von dem ich meinen ersten Kuss bekam. Der hatte auch solche Locken, aber blaue Augen.

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Samstag, 11. Januar 2014
Les chansons d'amour
Eins vorweg: Ich habe es nicht so mit Musicals. Natürlich habe ich Hair und The Rocky Horror Picture Show gesehen, sogar mehrmals, aber das war es auch schon. Und mein Verhältnis zu französischen Filmen ist zwiespältig. Einige meiner Lieblingsfilme stammen zwar aus Frankreich, einige meiner langweiligsten Kinoerlebnisse aber auch. Rosarium und ich erinnern uns immer noch mit großem Gähnen an Yolande Zaubermans Clubbed to Death (und das ist 16 Jahre her). Auch Eric Rohmers Filme hauten mich seinerzeit nicht gerade vom Kinosessel. Die Frauenfiguren in französischen Filmen erscheinen mir häufig eher wie öde Männerphantasien und gehen mir nur allzu leicht auf die Nerven. Überhaupt wirken die Dialoge in französischen Filmen oft reichlich manieriert.

Den Film Les chansons d’amour jedoch mag ich sehr. Obwohl zwischendurch immer wieder einmal gesungen wird. In meinen Augen handelt es sich dabei gar nicht um ein Musical. Keiner tanzt. Niemand setzt zur großen Arie an, sondern es geschieht beiläufig. Vielleicht, weil die Beteiligten nur davon singen können, worüber sie nicht zu sprechen vermögen: ihre Empfindungen.





Julie und Ismaël sind 28 und lieben sich. Doch nach neun Jahren kriselt die Beziehung. Es ist nicht nur die Routine des Alltags, die Haare in der Dusche und die sieben Nachrichten ihrer Mutter auf dem Anrufbeantworter, die beide zweifeln lassen. Julie will ein Kind, Ismaël nicht. Stattdessen haben sie eine ménage à trois mit Alice begonnen. Aber es läuft nicht so wie gedacht, und so richtig glücklich ist keiner damit. Alice verbirgt ihre Gefühle hinter einer schnodderigen Art, Ismaël weiß nicht so recht, was er tun soll, und Julie wird das alles zu viel, obwohl es ihre Idee war. Dann passiert etwas völlig Unvorhergesehenes – und alle müssen plötzlich sehen, wie sie mit ihrem Verlust und tiefen Kummer weiterleben. Das Ende bleibt offen, die Liebe ist absturzgefährdet.

Les chansons d’amour ist ein Film von großer Zärtlichkeit. Dass Regisseur Christophe Honoré und Komponist Alex Beaupain die Facetten der Trauer so gut einfangen, dürfte daran liegen, dass sie sich damit auskennen: Die beiden sind schon lange befreundet und verloren vor einigen Jahren eine gemeinsame Freundin. Die Melodien der Lieder sind einfach gehalten - schließlich sind die Schauspieler keine ausgebildeten Sänger -, die Texte sind dafür umso düsterer, ein reizvoller Kontrast. Das unerwartete Ereignis setzt Honoré ebenfalls gut in Szene. Die Produzenten wünschten es sich anders, ich finde es genau richtig so.

Bei aller Traurigkeit steckt zugleich ein wunderbarer Humor in diesem Film – wie auch viele cineastische und literarische Anspielungen. So pfeift etwa Ismaël, als die drei sich anschicken, miteinander ins Bett zu gehen, die Titelmelodie von Steven Spielbergs Close Encounters of the Third Kind. Ich habe mich gekringelt vor Lachen, als mir das beim zweiten Anschauen aufging.

Überhaupt sind die Sexszenen sehr gut choreographiert (auch hinsichtlich der Kameraführung). Oft geht es mir im Film so, dass ich denke: Das soll nun also die große Leidenschaft sein, aha. Oder: Ach, jetzt ist wohl Gymnastik angesagt. Manchmal bekomme ich sogar Mitleid mit den Schauspielern, weil sie sich offensichtlich unwohl fühlten. In Les chansons d’amour stimmen selbst die kleinsten Gesten, dadurch wirkt es authentisch. Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt, der Film ist ab sechs Jahren freigegeben. (Wobei ich stark bezweifele, dass Sechsjährige die Anspielung auf Jean Cocteaus Film Orphée erkennen, geschweige denn, die Geschichte dieses Films tatsächlich begreifen.)

Die Darsteller, allen voran Louis Garrel, aber auch Ludivine Sagnier, Clotilde Hesme, Chiara Mastroianni und Grégoire Leprince-Ringuet gefallen mir hier ebenfalls sehr. Leider habe ich den Film, der nebenbei auch etwas vom X. Arrondissement von Paris erzählt, seinerzeit im Kino verpasst. Ich hätte ihn gern auf der großen Leinwand gesehen, freue mich aber, dass es ihn zumindest auf DVD gibt, was bei vielen Filmen mit und von Louis Garrel außerhalb Frankreichs nicht der Fall ist. Oder allenfalls für Region 1 oder nur auf Französisch mit griechischen Untertiteln. (wtf?)

In Russland wird er übrigens in Zukunft vermutlich gar nicht mehr öffentlich zu sehen sein. Nachdem Les chansons d’amour 2007 in Cannes im Hauptwettbewerb lief, kam er auch in Russland in die Kinos. Im September vorigen Jahres lief der mehrfach ausgezeichnete Film dort nochmals im Fernsehen und rief prompt die Zensur auf den Plan. Der Sender EvroKino wurde von der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadzor* verwarnt und darf ihn nie mehr zeigen. In französischen Medien war sogar die Rede davon, dass die serbische Filmkopie das Land nicht mehr verlassen durfte. Genießen Sie also Ihre Freiheit und schauen Sie sich Les chansons d'amour an, wenn Sie den Film noch nicht kennen. Verzichten Sie nur darauf, vorher Kritiken oder Bewertungen zu lesen, die meisten verraten zu viel von der Handlung. Und es wäre doch schade, wenn die Überraschung weg wäre.

* Roskomnadzor klingt wie der Name eines Dinosauriers, nicht wahr? Das passt ja.

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Donnerstag, 10. Mai 2012
Cette voix

Cette voix, qui perle et qui filtre
Dans mon fonds le plus ténébreux,
Me remplit comme un vers nombreux
Et une réjouit comme une philtre. *

- Charles Baudelaire: Le Chat -

In der halben Stunde am Telefon mit Dir eben lache ich mehr als an allen übrigen Tagen dieser Woche. Auch Du lachst viel, hast mich gleich mit meinem Namen und einem Lachen begrüßt, bevor ich auch nur einen Ton sagen konnte.
Gib's zu, Du telefonierst gern mit mir.

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Samstag, 6. August 2011
Um voll Glut zu singen

Wann fahl es wird in dem Hotel
Und knarrt das leere Bettgestell
Und seufzt der Flur vor Einsamkeit
Ist es die allerbeste Zeit
Um von der Glut zu schreiben.

- Wenzel: Wann sich im Herd die Asche wellt -

Seine Stimme und dieses Lied gingen mir nicht mehr aus dem Kopf, darum kaufte ich mir spontan eine Konzertkarte, ohne eigentlich seine Musik zu kennen. Als ich ankomme, sind fast alle Plätze im kleinen Saal belegt, nur in der ersten Reihe gibt es noch ein paar freie Sitze. Nun gut, sage ich mir, als ich mich in die Mitte setze, vielleicht kann ich dann ein paar Fotos machen.

Kurz darauf kommt noch ein Paar, älter als ich - er noch etwas älter als sie -, und setzt sich rechts neben mich. Sie sei viel zu warm angezogen, sagt sie entschuldigend, als sie sich neben mir aus ihrer Jacke und ihrem Pullover schält. Sie dachte, das Konzert wäre vielleicht doch im Freien. Ich war mir auch nicht sicher, habe es aber einfach einmal riskiert und meine Jacke im Auto gelassen, antworte ich. Kennen Sie Wenzel, fragt sie mich daraufhin. Nein, eigentlich gar nicht, entgegne ich. Nur aus dem Film und von den paar Hörproben auf seiner Website. Und Sie? Ich habe ihn auch erst durch ihn kennen gelernt, sagt sie und deutet auf ihren Mann, der höre ihn schon ganz lange. Ich war auf einem seiner ersten Konzerte, schaltet sich der Mann nun ein, da war Wenzel noch ein ganz junger Mann. Spätestens jetzt weiß ich, dass er aus dem Osten, sie aber aus dem Westen ist. Angeblich sollen deutsch-deutsche Lieben in dieser Konstellation ja nicht so gut funktionieren, zumal in dem Alter, aber auf mich wirken die beiden ganz glücklich und zufrieden miteinander.

Ich mag die Musik sehr, sagt sie. Ich bin mal gespannt, wie sie Ihnen gefällt. Den Pullover trägt er immer auf der Bühne, flüstert sie mir gerade noch zu, als Wenzel auf die Bühne kommt und schnurstracks zum Klavier geht.



Der Mann ist eindeutig Blogger-kompatibel, denke ich und grinse in mich hinein.

Das Meer kommt häufig in seinen Liedern vor. Später werde ich in einem Interview lesen, dass er mit "Ein Schiff mit acht Segeln …" aufgewachsen ist, sein Vater hörte beim Malen grundsätzlich Brecht-Lieder. Die Eltern waren beide Lehrer, die Familie lebte in Wittenberg. Sein pubertärer Protest gegen sein atheistisches Elternhaus habe darin bestanden, die Bibel zu lesen und Bach zu hören, Orgelmusik, das Sakrale, erzählte er. Beides hört man mitunter, Brecht und Weill in Schöne Welt, während Wann sich im Herd die Asche wellt wie ein Kirchenlied anmutet. Damit eröffnet er auch das Konzert, ein Lied, in dem gleich ein anderes häufiges Motiv auftaucht: Verrat.

Er steht vom Klavier auf, wünscht einen guten Abend und sagt, dass er sich wie immer für den Abend keinen Plan gemacht habe, sondern improvisiere. Das stimmt natürlich nicht so ganz, denn einiges von dem, was er im Laufe des Abends sagen wird, hat er auch schon anderswo erzählt, weiß das Web. Aber hey, eins seiner Lieder heißt schließlich Schöner lügen, ein anderes Glaubt nie, was ich singe, und vielleicht hat er ohnehin nur gemeint, dass es keine Setlist gibt.

Er wolle, sagte er in einem anderen Interview, mit dem, was er tue, die schönen Frauen betören. Das dürfte kein Problem sein, besitzt er doch Ausstrahlung, macht Musik



... und hat auch noch schöne Hände. Kurzum, die Killerkombination.

Dass er nicht nur von der Glut zu schreiben weiß, sondern sie auch erlebt, zeigt sich in seinen Liedern über die Liebe, der glücklichen wie auch der unglücklichen, gar missglückten. In Abschied immer wieder heißt es:

Der Whiskey war schlecht und das Herz sprang wie wild / An dem Tag von den grauesten Tagen. / Und wir saßen und gaben ein trauriges Bild / Und wir wussten nicht, was wir sagen. // Wie klein und wie kalt uns der Mond da erschien / In der Nacht unserer Einsamkeit. / Und wir warteten stumm, von einander zu fliehen, / Uns zu trennen für den Rest der Zeit //…. Denn der Rausch war kein Rausch, weil der Whiskey war schlecht. / Kalt und klar stehn die Möbel im Zimmer. / Und von allem ist nur unsere Traurigkeit echt, / Unbegründete Hoffnung noch immer.

So stehen die Möbel am Ende im Zimmer, ganz genau. Sehr gut beobachtet, wie jeder weiß, der jemals eine solche Trennung erlebt hat. Oder eine Affäre oder One-night-stand wie in In ihrem Fenster sieht man Wolken:

Sie eilen fort und Abschied liegt im Blick / Wir werden uns bestimmt nicht wieder kennen / Dein Arm schlingt sich um mein Genick / Als hielte er und wir wären nicht zu trennen / Und dennoch wissen wir’s auf nackten Knien / das Lächeln hält vielleicht noch eine Weile / In ihrem Fenster sieht man Wolken zieh’n / krank fast vor Hast und irrer Eile.

(Mit seiner Band spielte er damals in Wittenberg übrigens die Stones, White Horses und so.)



Dieses Lied spielt er heute Abend leider nicht, dafür aber Tristes Zimmer über eine glückliche Liebesnacht:

Als wir in dem tristen Zimmer standen / Wo die graue Nacht so schnell verging / Um im grauen Vormittag zu landen / Des Novembers, der im Regen hing.

Ich mag seine Bilder. Mit meinen eigenen habe ich hingegen so meine Schwierigkeiten. Genau wie ich steht er nämlich selten still, dafür dann aber so da, auch genau wie ich.



Außerdem überhitzt meine kleine Kamera anscheinend, jedenfalls werden viele Bilder unscharf, wie ich hinterher mit Bedauern feststelle. Wirklich schade, es waren einige sehr schöne Motive darunter.

In der Pause kaufe ich mir eine CD. Zwei russische Mädchen – am Akzent und vor allem an ihren schönen Augen ist ihre Herkunft unschwer zu erkennen – unterhalten sich über ihn. Auch sie kannten Wenzel vorher offenkundig nicht. Das ist sehr schöne Musik, sagt die eine. Ja, antwortet die andere. Und er hat auch eine schöne Stimme.

In dem besagten Interview, in dem er über die schönen Frauen sprach, sagte er auch, wenn nur noch die „alten Weiber“ in seine Konzerte kämen, höre er auf. Es besteht wohl keine Gefahr eines baldigen Karriereendes.



Neben seinen vielen traurigen Liedern über die Liebe, singt Wenzel auch beißend über Politisches. Nazi im Regen, etwa – er besitzt auch ein Haus in Ostvorpommern, dort schreibt er. Es sollte mich wundern, wenn die See weit entfernt ist. In der Stadt Usedom und in Bansin wird die NPD in wenigen Wochen rund 25 Prozent der Stimmen gewinnen. Tiefenbräune, sozusagen. Die bittersten und bösesten Sachen sagt er übrigens mit dem harmlosesten Gesichtsausdruck.

Für dieses Haus wiederum benötigt er eigentlich keine Tapeten, er könnte wohl die Wände mit all den Auszeichnungen tapezieren, die er schon bekam. Es liegt also nicht an ihm, wenn man seinen Namen bislang nicht kannte. Nach einer Zugabe verschwindet er schon von der Bühne. Später, als er sich an der Bar ein Bier holt, bedanke ich mich kurz für den schönen Abend.

Erst in den folgenden Tagen, als ich nach einigen Songs suche, die nicht auf der CD sind, die ich mir gekauft habe, geht mir auf, wie viele Lieder er an dem Abend spielt. Das Konzert geht so schnell vorbei, das mir das gar nicht gleich auffällt.



Wenzel spielt - allein oder mit Band - am 28. September in Frankfurt am Main, am 30. September in Stuttgart, am 1. Oktober in Plauen, am 2. Oktober in Schkeuditz, am 16. Oktober in Berlin, am 22. Oktober in Hoyerswerda, am 28. Oktober in Oberotterbach, am 29. Oktober in Weilerbach, am 30. Oktober in Birkweiler, am 5. November in Flöha, am 7. November in Paderborn, am 9. November in Oldenburg, am 10. November in Hamburg, am 12. November in Neustatt in Holstein, am 17. November im Schloss Holte-Stukenbrock, am 23. November in Marburg, am 26. November in Saarbrücken und am 28. November in Müncheberg. Die Details und Tourdaten für 2012 schauen Sie bitte selbst nach.

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Samstag, 13. Juni 2009
Panepidemie
Hierzulande hält man es gemeinhin noch für eine Kinderkrankheit, die nur Teenager befällt, doch in Wahrheit erwischt es weltweit erwachsene Frauen viel häufiger und heftiger. Unbemerkt von der Weltgesundheitsorganisation WHO hat es längst panepidemische Ausmaße angenommen. Bislang gibt es weder Medikamente noch Impfstoff dagegen, und es muss bezweifelt werden, dass es jemals glücken wird, ein Gegenmittel zu finden. Längst sind wirtschaftliche Folgen zu befürchten, geben doch viele der Betroffenen an, zumindest zeitweise arbeitsunfähig zu sein und ihre eigentlichen Aufgaben und Pflichten deshalb zu vernachlässigen. Tagtäglich infizieren sich weitere Frauen; auch ich bin nicht immun dagegen. Der Name der Krankheit: Robsession.

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Donnerstag, 26. Februar 2009
In Anlehnung an Brecht
Ich habe heute Nacht von Dir geträumt. Du warst nicht sehr vernünftig. :-)

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Freitag, 30. Januar 2009
Lass mich hören Deine Stimme
Manchmal lausche ich des Nachts dem Klang Deiner Stimme nach.
Ich werde mich wohl niemals daran satthören.

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Dienstag, 13. Mai 2008
Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden
Verabredungen mit jüngeren Männern, die einen mit Käsebrot füttern und Komplimente machen.

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Mittwoch, 15. August 2007
Trees shall crowd

Where’er you walk,
cool gales shall fan the glade;
trees, where you sit,
shall crowd into a shade.
Where’er you tread,
the blushing flow’rs shall rise,
and all things flourish
where’er you turn your eyes.

Georg Friedrich Händel: Semele

Foto: EMI Classics

Gestern Abend hörte ich zum ersten Mal Ian Bostridge. Die Konzertkarte hatte ich vor Monaten einfach aus Neugier gekauft, weder kannte ich zuvor seinen Namen noch Aufnahmen von ihm. Ich wusste gar nicht, was mir bislang entgangen war - ich bin jetzt noch völlig trunken von seiner Stimme. Als er die Arie des Jupiters aus Semele sang, flog plötzlich die kleine Fledermaus durch die Basilika, die ich dort schon manchmal beobachtet habe. Ariodantes Arie Scherza infida sang er so herzzerreißend, dass er zwar nicht die Steine zum Weinen brachte, aber mich beinah.

Nebenbei straft Ian Bostridge alle Klischees über Tenöre Lügen. Denen sagt man ja ganz gerne nach, dass sie nicht unbedingt die Hellsten seien. Er aber hat in Cambridge und Oxford Geschichte und Philosophie studiert, über Hexenglauben in England in den Jahren von 1650 bis 1750 promoviert und war danach Fellow am Corpus Christi College, Oxford. Sein Lebtag wird er auch niemals so dick werden wie Pavarotti & Co., Bostridge ist groß und sehr schlank - er hat diese skinny sexiness, die englischen Männern nicht selten zu eigen ist. Und sehr blaue Augen.

Bei all dem tritt er völlig unprätentiös auf. Steht bescheiden auf der Bühne und erweckt manchmal den Eindruck, als sei es ihm fast peinlich, dass ihm das Publikum noch mehr zujubelt als dem Orchestra of the Age of Enlightenment. Deren Solo-Geiger Matthew Truscott ist übrigens ebenfalls sehr nett anzuschauen. Nicht nur, weil er mit offensichtlichem Vergnügen musiziert. Sehr schlank ist auch er (Engländer, siehe oben), und ich wette, er hat einen ganz wunderbaren trockenen Humor.

Nach dem Konzert tat ich etwas, was ich erst zweimal in meinem Leben getan habe: Mir von einem Künstler die CD signieren lassen. Als ich Ian Bostridge in dem Gedränge leise auf Englisch für den wunderbaren Abend dankte, da freute er sich spontan und sagte genauso leise Thank you. Als er mir die CD zurückgab, lächelte er mich ein zweites Mal an, so dass mir jetzt noch schwindelig ist und meine Begleitung, die das nur aus der Ferne beobachtete, mich fragte: Hast Du etwas zu ihm gesagt? Er hat Dich ja so strahlend angelächelt ... das war richtig auffällig.

Wenn Sie also die Möglichkeit haben, Ian Bostridge zu hören, wie etwa Ende August/Anfang September in Österreich (am 3. Oktober singt er nochmals in Wien), am 18. September in Basel, am 19. September in Köln, am 14. November in Berlin oder am 21. Dezember in Dresden, dann gehen Sie unbedingt hin.
Ich genieße derweil das Glück, nicht wie Händels Zeitgenossen diese wunderbare Musik womöglich nur einmal im Leben hören zu können, sondern drücke die Repeat-Taste. Und nun entschuldigen Sie mich bitte, ich muss jetzt noch ein bisschen schmachten.

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Donnerstag, 26. April 2007
Thinking of you

I’ve been thinking of you
Got me wondering what would I do

- Earth Wind And Fire: Thinking Of You -

Dialogfetzen wabern durch das Gedächtnis, und plötzlich sitzt man leicht blöde grinsend vor dem Rechner und guckt Löcher in die Luft statt auf den Bildschirm. Doch die Buchstaben sind alle scharlachrot.

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