Freitag, 6. April 2007
Heut’ Nacht

Tonight
Tonight
Oh uh huh make it magnificent
Tonight
Right
Oh your hair is beautiful
Oh tonight

- Debbie Harry: Atomic -

Unverhofft hast Du mich zum Abschied umarmt. Als ich durch Kälte und Schnee nach Hause laufe, weht mir der Wind eine Haarsträhne immer wieder ins Gesicht. Dein Geruch hängt noch darin. Leise singend gehe ich durch die Dunkelheit, oh my hair is beautiful, oh tonight.

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Mittwoch, 25. Oktober 2006
Nothing less than brilliant

You may be ragged and torn
Your face is haggard and drawn
(...)
I know just how rare you are
And you’re nothing less than brilliant in my eyes

- Sandie Shaw: Nothing less than brilliant -


Wie immer kommst Du zu spät und siehst obendrein auch noch aus, als seiest Du gerade aus dem Bett gefallen. Wahrscheinlich bist Du das auch, Dein Haar zerzaust, Deine Wangen unrasiert und Deine Kleider vom Vortag. Nein, Mühe vorm Spiegel hast Du Dir heute Morgen nicht gegeben, aber Deine Wiedersehensfreude ist echt.

Drei Jahre lang haben wir uns nicht mehr gesehen. Damals standen wir vor den Toren der Fabrik, Du hattest Dich davon geschlichen, um mir einen Gefallen zu tun. Zwanzig gestohlene Minuten, kein Weg mir dafür zu weit. Die Zeit war seither zu Dir weniger gnädig als zu mir, hat in Deinem Gesicht tiefe Spuren hinterlassen, und zum ersten Mal sehe ich viel Grau in Deinen Bartstoppeln.

Jetzt sitzt Du mir gegenüber und erzählst mir von Deinen Träumen. Wieder schaust Du mir viel zu lange in die Augen. Und wie Du so da vor mir sitzt, zerzaust und zerknittert, muss ich mir eingestehen: Mein Herz ist nicht lernfähig.

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Freitag, 17. März 2006
It’s a long way down

Your love is better than chocolate
better than anything else that I’ve tried
oh love is better than chocolate
everyone here knows how to cry.

- Sarah McLachlan: Ice cream -

Mit meinem Auto möchte ich jetzt durch eine Sommernacht fahren, das Dach aufmachen, die Musik ein bisschen lauter drehen und aus vollem Halse mitsingen. Your love is better than ice cream, better than anything else that I’ve tried.
Und dann irgendwo ankommen.

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Dienstag, 18. Oktober 2005
Was ich such, hab ich funden
Hier ruhen in Frieden Catharina Krieg, geboren in der Stephansmühle, sie hat ihr zeitlich Leben auf 60 Jahre gebracht. Zur rechte ruht ihr Ehemann Ludwig Otto, war alt 61 Jahr, zur Linke ruht ihr Freund Jacob Kraft von Mittelsimsthausen war alt 61 Jahre. Sie liegen und Schlafen alle in Frieden, und der Herr hilft ihnen, daß Sie sicher wohnen.

Ein Herz auf einem Grabstein, dessen Inschrift mir so nahe geht, jedesmal. Nennt nicht Tag noch Jahr, nur dass die drei ein Alter waren. Starben sie, wie sie gelebt haben - gemeinsam?
Wer war diese Frau mit einem Mann zur rechten und zur linken? Es war einmal ein Müller, der hatte eine schöne Tochter ...

So sehr geliebt zu werden.

Und wer waren diese Männer, waren sie glücklich? Oder stellte einer der beiden immer wieder die bange Frage: Sag, Bächlein, liebt sie mich?
In meinen Gedanken murmelt der Bach stets "Ja", und schließt die ganze Welt mir ein. Doch gab es auf dieser Welt eine sichere Bleibe für diese drei und ihre Liebe? Und der Herr hilft ihnen dass sie sicher wohnen - wer immer das schrieb, glaubte an einen liebevollen Gott, der auch diese Liebenden behütet. Und hatte sie wohl auch selbst sehr gern gehabt, die Frau, die mir unbekannt und im Herzen doch nahe ist.

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Freitag, 7. Oktober 2005
There is a light that never goes out

and if a double-decker bus
crashes into us
to die by your side
is such a heavenly way to die
and if a ten ton truck
kills the both of us
to die by your side
the pleasure and the privilege is mine.

- The Smiths: There is a light that never goes out -

Auf dem Rückweg dann fuhren wir schweigend durch die Dunkelheit. Und auch dafür liebe ich Dich: Dass wir miteinander schweigen können. Wir, die wir am Anfang nur Worte gehabt hatten, die geschriebenen, vermeintlich für alle, doch in Wahrheit immer nur für einander.

Ich genoss das Schweigen, obwohl ich Deine Stimme immer schon mochte, von dem Moment an, als ich sie das erste Mal hörte. Die ich auch heute noch sofort erkenne, wenn ich sie irgendwo unverhofft höre. Wir aber sprachen nicht, und die Nähe breitete sich zwischen uns aus, hüllte uns ein. Ab und an sahen wir uns kurz an. And if a ten ton truck ...

Das Lied im Radio war ein anderes, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. In Deinem Auto war es sicher und warm, ich lehnte den Kopf an und sah hinaus in das Schwarz-Blau des Abends. In der Ferne tauchten die Lichter Deiner Stadt auf, und ich wünschte mir, diese Fahrt würde niemals enden.

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Dienstag, 30. August 2005
Zärtlich ist die Nacht
In samtweichen Nächten wie dieser möchte ich niemals mehr schlafen gehen.
Im dünnen Sommerkleid stehe ich im dunklen Hof und schaue hoch zu den Sternen, die dem Dunst und den Lichtern der Stadt trotzen. Heute Nacht sind mehr als sonst zu sehen. Eigentlich sollte man jetzt zu zweit spazieren gehen, denke ich noch, bevor ich mich umwende, um dann doch ins Haus hineinzugehen.

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Sonntag, 3. Juli 2005
My memory snapped
Mehr als 20 Jahre lang habe ich nicht mehr an ihn gedacht. Als ich 14 war, hatte ich einen Freund, der sah aus wie Tom Chaplin, der Sänger von Keane. Der Grund, warum wir uns damals trennten, ist mir genauso entfallen wie sein Nachname, es wird wohl wegen irgendeiner Nichtigkeit gewesen sein, jedenfalls wollte er ein Vierteljahr später gern wieder mit mir zusammenkommen. An sich wäre dagegen auch gar nichts zu sagen gewesen, doch hatte er mir an jenem Abend eben auch erzählt, dass er in der Zwischenzeit meine Loyalität angezweifelt, das Gerede anderer geglaubt hatte. Unbesehen und ungefragt. Da sah ich keinen Sinn mehr darin, er aber konnte das nicht verstehen.

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Sonntag, 29. Mai 2005
Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen

But I know what a prince and lover ought to be,
I know what a prince and lover ought to be...

- Spin Doctors: Two Princes -

Ich gestehe, bislang habe ich noch nie Erbsen gezählt. Ohnehin lässt sich der Wert der Geschenke, die ich von meinen Prinzen bekam, materiell kaum bemessen - habe ich doch seit eh und je mehr ein Herz für Männer, die arm an Geld, aber reich an schönen Worten sind. Ich glaube, das teuerste Geschenk, das mir jemals einer von ihnen machte, kostete 200 Rubel.

Meine einstige Freundin - ihr Lieblingsmärchen war „Aschenputtel“ -, besaß in der Hinsicht mehr ökonomischen Verstand, sie liebte immer nur Männer mit Geld. Die führten sie in teure Restaurants aus und legten ihr allerlei zu Füßen: Diamantringe, armlange Baccararosen und... Stofftiere. Von denen besaß sie eine beachtliche Sammlung.

Ich hingegen bekam meist Bücher geschenkt und Briefe geschrieben, erhielt Gedichte und ein Gemälde. Man spielte Klavier für mich oder sang und schmierte Marmeladenbrote. Der Russe, der mir das Bild malte, verwendete außerdem einmal sein komplettes Monatsgehalt darauf, mir ein französisches Parfum zu schenken. Für diese Geste muss er einen Monat lang nur von Brot und Tee gelebt haben.

Nichts davon hätte ich gegen ihre Klunker tauschen wollen, schon gar nicht gegen die Stofftiere. Denn nicht einer ihrer Prinzen blieb die ganze Nacht auf, um ihr einen Brief oder ein Gedicht zu schreiben. Keiner ihrer Prinzen hat je für sie gehungert.

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Samstag, 23. April 2005
Nocturnal me

Oh, take me internally
Forever yours
Nocturnal me
Take me internally
Forever yours
Nocturnal me.

- Echo & The Bunnymen: Nocturnal me -


Mein Bett ist sehr schmal. Das hat mir schon manch unliebsame Erklärung erspart, warum der ein oder andere es nicht mit mir teilen, geschweige denn zum Frühstück bleiben konnte. Mal ganz abgesehen davon, dass man schon sehr verliebt sein muss, um in dem Bett mit mir die ganze Nacht verbringen zu wollen.

Der mit den grünen Augen blieb jedesmal, ich hatte auch nie den Wunsch, ihn fortzuschicken, obwohl ich gern alleine schlafe. Meinen Schlaf zu stören, ist leicht, doch er tat es nie. In seinen Armen konnte ich schlafen - wer jemals stundenlang den Atemzügen eines anderen gelauscht hat, weiß, was das bedeutet. Die ganze Nacht hielt er mich umfangen, ohne mich einzuengen. Selbst im Schlaf reagierte er auf meine Bewegungen, vollzog sie nach, wenn ich aus einem Traum hochschreckte oder mich auf die andere Seite drehen wollte. Ließ mich nicht einmal dann los, so dass ich manchmal vorsichtig seinen rechten Arm unter meinem Kopf wegnahm, damit er sich nicht verrenkte. Drehte ich mich erneut um, fand sein anderer Arm mich wieder und hielt mich fest. Nie habe ich so gut geschlafen, wie an seiner Seite.

Noch Jahre später, wenn ich nachts neben einem anderen wach lag und ins Halbdunkel des fremden Zimmers schaute, verspürte ich Sehnsucht. Nicht nach ihm, sondern nach diesem Gefühl.

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Dienstag, 19. April 2005
Hey babe
Da war sie also. Seine ewige, unerreichbare Liebe. Nein, schön war sie wirklich nicht, aber sie hatte Ausstrahlung. Kein Wunder, dass ihr die Männer reihenweise zu Füßen lagen, selbst ich konnte mich dem kaum entziehen. Als wir nach seinem Konzert nebeneinander in der Kneipe saßen und uns unter seinen bohrenden Blicken angeregt unterhielten, da wanderten meine Augen immer wieder zu dem tiefen Rückenausschnitt ihres Kleides, strichen meine Blicke über ihre Haut. Ich hatte Mühe, meine Hand nicht folgen zu lassen.

Später, viel später, als er schon längst nicht mehr mein Liebhaber war, rief sie mich aus Berlin an. Wir tranken Gin Tonic am Telefon, sprachen über ihr Schreiben und ihre Männer. Wie sehr ihr Freund darunter litt, dass sie ihn gerade mit einem anderen betrog.

Dann gestand sie mir, dass sie sich zu mir hingezogen fühlte. Es wären ihr sogar die ersten Zeilen zu einem neuen Gedicht eingefallen. Sie hätte mich gern geküsst, sagte sie, aber es gab ja keine Gelegenheit. Da lachte ich am anderen Ende leise auf: „Schade, eigentlich.“

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