Sonntag, 3. Mai 2020
Kommt ein Vogel geflogen
Ich wünschte, die Städte würden die Tauben sich nicht einfach selbst überlassen. Die fliegen nämlich jetzt aus Not erst recht die Futterstellen für Singvögel an und versuchen, sich dort durchzufuttern.

Meine jüngere Schwester Rosarium bekam am Montag einen Brief von der Hausverwaltung: Die Nachbarn haben sich beschwert, jetzt darf sie keine Singvögel mehr füttern. Sie hat es jahrelang gemacht, es war nie ein Problem. Angeblich habe einer Taubenbefall auf dem Balkon und der Hausmeister habe schon häufiger Taubenkot entfernen müssen. Sie vermutet, es war der Nachbar im Penthouse, der sich beschwerte.

Da die Tauben am Wasser nichts mehr zu fressen finden - die Lokale usw. sind ja geschlossen, suchen die halt woanders. Kann schon sein, dass sie dann auch auf seiner Dachterrasse waren. Bei mir hinterlassen sie öfter grünen Hungerkot auf dem Balkon. Mich sprach unlängst auch schon eine Nachbarin wegen der Tauben und des Vogelhäuschens blöd an - die Leute hängen zu Hause rum und haben nichts besseres zu tun. Deshalb musste ich das Futterhäuschen einige Tage lang abhängen, um wenigstens einige der Stadttauben wieder loszuwerden. Türken- und Ringeltauben machen immer noch ziemlich viel Terror.

Von Rosarium habe ich daraufhin kiloweise Vogelfutter geerbt, sie hatte gerade fünf Kilo Rosinen bestellt. Ihr bricht es jetzt fast das Herz, dass die Singvögel nun vergeblich auf ihrem Balkon nach Futter Ausschau halten.

Ich habe den Staren gezeigt, wo das Penthouse ist und ihnen gesagt, dass sich deren Action Painting sehr gut auf den Oldtimern machen würde, die der Nachbar mitunter auf der Straße parken muss, weil er mehr Oldtimer als Parkplätze in der Tiefgarage hat.

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Sonntag, 28. Juli 2019
Happy now, twitterati?
Wie wäre es, wenn jetzt alle einfach mal die Klappe halten.

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Donnerstag, 11. Oktober 2018
Sachsen, normale Sachsen
In Dresden wurden der Journalist Arndt Ginzel und der Kameramann Gerald Gerber vom "Hutbürger" angegangen. In Chemnitz hatten sie ebenfalls eine Begegnung der dritten Art. Ein Passant sprach die beiden bei der Arbeit an und filmte sie auch. Dabei beschimpfte er sie abwechselnd als Wessis, Nazis und Rassisten, denn die beiden "hetzen" seiner Meinung nach "gegen uns Ostdeutschen, das macht Ihr doch alle, Ihr Wessis!".

Als Arndt Ginzel klarstellte, dass sie beide Sachsen sind, wollte der Passant das nicht glauben: "Du bist kein Ostdeutscher, Ihr Wessis seid keine Deutschen, Ihr seid ein ganz anderes Volks, seid Ihr!"

Arndt Ginzel ist in Ostsachsen geboren und aufgewachsen und sagte ihm das auch. Der Passant unterstellte ihm daraufhin, er sei womöglich mal im Knast oder bei der Stasi gewesen.

"Du gehörst dort hin, kein Sachse… Sachsen, normale Sachsen, ordentliche Sachsen würden sich nicht so benehmen, wie Ihr und ihr eigenes Volk diffamieren, diskreditieren und diskriminieren, das macht Ihr .... wir sind ein eigenes Volk ... schon immer sind mir ein eigenes Volk."

Es folgen noch weitere Beschimpfungen als "Gesinnungs-Gestapo", "widerlicher Gutmensch" und Wessi. Arndt Ginzel erwidert daraufhin: "Wir kommen aus Sachsen. Was soll ich machen, wir können auch gerne wetten."

Passant: "Wetten tun die Juden."

Ich habe hier nur einige Ausschnitte aus dem Geprächsverlauf wiedergegeben, den man hier oder auch auf Twitter nachlesen und teilen kann.

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Montag, 10. September 2018
Kleine Gedächtnisstütze
"Das Wichtigste beim Verfassungsschutz ist jetzt, Vertrauen herzustellen, Vertrauen der Öffentlichkeit, der Parlamente in die Arbeit des Verfassungsschutzes." (Quelle)

Das sagte der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der Amtseinführung von Hans-Georg Maaßen als Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz im August 2012. Dessen Ernennung stieß auf Kritik, vor allem wegen Maaßens Gutachten im Fall Murat Kurnaz, aber nicht nur deshalb.

Hans-Georg Maaßen selbst sagte damals übrigens:

"Ich freue mich auf meine neue Aufgabe als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, denn dieses Amt nimmt eine unverzichtbare Rolle beim Schutz unserer freiheitlichen Demokratie ein." (Quelle)

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Dienstag, 29. Mai 2018
Nach den Betriebsratswahlen
Bei den Betriebsratswahlen blieben die "rechten Listen" trotz der Wahlerfolge der AfD hinter den Erwartungen zurück. Entwarnung für die DGB-Gewerkschaften bedeutet dies nicht, vor allem da es auch in ihren Reihen autoritäre und fremdenfeindliche Tendenzen gibt.

Feature im Deutschlandfunk Kultur: Der Rechtsruck blieb aus, das Problem bleibt

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Sonntag, 23. Juli 2017
Die Stille nach dem Sturm
Nein, bitte nicht, denke ich, als das Unwetter abends hernieder kracht, es ist doch noch viel zu früh, noch nicht einmal Ende Juli. Am nächsten Tag bleibt es still am Himmel, die Mauersegler sind verschwunden. Nur dicke graue Wolken sind da. Am liebsten würde sie verhauen.

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Mittwoch, 26. August 2015
umF
In dem alten Haus wohnen sie zu acht. Teenager zwischen 16 und 17 Jahren, alles Jungs. Sie stammen aus Afghanistan, Eritrea und Somalia, irgendwie schafften sie es nach Deutschland. Für drei von ihnen lässt die bessere Zukunft trotzdem auf sich warten. Denn die Jungen können hier nur zur Schule gehen, wenn die Berufsschule noch Plätze frei hat - die allgemeine Schulpflicht herrscht nur bis 15. Nur zwei von ihnen ergatterten dort einen Platz, die Warteliste ist sehr lang. Zwei andere rutschten immerhin noch in einen Sprachkurs, aber der ist halt befristet. Einer bekam sogar einen Ausbildungsplatz als Verkäufer - in dem Eigenbetrieb der Stadt erlernen sonst langzeitarbeitslose Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen einen Beruf. Ein Sozialarbeiter muss mitunter manche von ihnen morgens aus dem Bett klingeln, damit sie zur Arbeit gehen. Diese drei Jungs in dem alten Haus aber können morgens im Bett liegen bleiben: Für sie gibt es keine Schule, keine Sprachkurse und keine Arbeit, die ihren Tag strukturiert. Was soll bloß aus ihnen werden?

Außenkontakte haben sie nur wenige. Es sei schwierig, erzählen sie, Gleichaltrige kennenzulernen. Wenn sie im Bus Hallo sagen, bekommen sie keine Antwort.
Die Jungs wünschen sich, dass mal eine Mädchen in das Haus einzieht, erzählt ihre Betreuerin. Aber Mädchen kommen nur selten alleine nach Deutschland, die Eltern schicken lieber die Söhne, weil sie deren Chancen größer einschätzen, es zu überstehen und nicht unterwegs vergewaltigt oder versklavt zu werden.

Wenn die Jungs 18 werden, müssen sie aus dem alten Haus ausziehen. Bisher suchten die Betreuer ihnen dann eine Wohnung, was schwierig genug war, denn kaum ein Vermieter mag sie als Mieter nehmen. Möglicherweise wird nun dafür eh das Geld gestrichen, sie müssten dann in eine Gemeinschaftsunterkunft ziehen, wo sie sich mit fremden Erwachsenen das Zimmer teilen.

Die Behörden nennen Teenager wie diese acht Jungs umF, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ihre Zahl hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht.

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Mittwoch, 10. Juni 2015
Packesel (7)
Längst liegen bei allen die Nerven blank. Eben geriet ich mit Amaryllis aneinander, nicht zum ersten Mal wegen dieses Umzugs. Rosarium ist diplomatischer, deshalb bekamen die beiden noch keinen Krach. Ich weiß aber, dass sie ebenfalls schwer genervt und erschöpft ist. Selbst meine sonst sehr geduldige Mutter machte sich neulich bei mir am Telefon Luft: Er ist so ein sturer ... Holzbock!

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Dienstag, 9. Juni 2015
Packesel (6)
Mit hochintelligenten Menschen kann man auch total schwachsinnige Diskussionen führen. Es sind inzwischen mehr als 500 Kisten.

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Freitag, 16. Januar 2015
Doudi schreibt an seinen Vater


Sie schreiben hoffentlich auch - an den König von Saudi-Arabien. Geht ganz einfach per Mail. Die noch ausstehenden 950 Peitschenhiebe für den Aktivisten und Blogger Raif Badawi wurden heute nur ausgesetzt, nicht aufgehoben. Am 7. Mai 2014 war er vom Strafgericht in Jeddah zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Außerdem bekam er ein anschließendes Reiseverbot von zehn Jahren, ein Verwendungsverbot für Medienkanäle und eine Geldstrafe von einer Million Saudi-Riyal, etwa 195.000, Euro auferlegt.

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