Mittwoch, 7. September 2005
Wirklich sein
„Wirklich - das hat nichts damit zu tun, was man in sich oder an sich hat“, antwortete das Spielzeugpferd, „wirklich - das ist etwas, das dir passiert! Wenn dich ein Kind ganz, ganz lange liebhat, nicht nur so zum Spaß, sondern wirklich liebhat, dann wirst du wirklich.“„Tut das weh?“, wollte der kleine Hase wissen. „Manchmal schon“, sagte das Pferd, denn es sagte immer die Wahrheit. „Wenn du wirklich bist, macht es dir nichts aus, wenn es weh tut.“
„Geschieht das auf einmal, wie beim Aufziehen, oder nach und nach?“, fragte der Hase.
Und das Pferd antwortete: „Nein, nicht auf einmal. Es dauert lange, bis du wirklich wirst. Deshalb passiert es denen so selten, die leicht zerbrechlich sind oder scharfe Kanten haben oder ganz vorsichtig angefaßt werden müssen. Man kann sagen, dass dann, wenn du wirklich geworden bist, fast alle deine Haare verschwunden sind - vor lauter Liebe, weißt du! Und dass deine Augen herausgefallen sind und du ganz ausgeleiert und ziemlich schäbig bist. Aber das macht dir dann überhaupt nichts aus. Denn wenn du erst wirklich bist, kannst du nie mehr häßlich sein, außer für Leute, die gar keine Ahnung haben."
- Margery Williams: Der kleine Kuschelhase -
zitiert nach Joyce Maynard: Tanzstunden.
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Art is just a name
Kunst kann man auch kaufen, pflegt Herr Kid zu predigen, das sei rentabler als irgendwelche Rentenfonds. Auch die Spreepiratin bekennt sich zum Kunstkauf (nur finde ich leider den entsprechenden Link nicht mehr), und der Don tut's sowieso.
In der Zur Not kann man Kunst aber auch in der Artothek ausleihen. Das habe ich am Wochenende getan, da es bei mir bekanntlich nicht für die Altersvorsorge reicht. Für 26 Euro wird nun dieses großformatige Aquarell von Erich Kaatz den Winter über die Küche verschönern.

Erich Kaatz: Fischerdorf am Felsen, undatiert (und schlecht fotografiert. Das Original leuchtet dagegen geradezu. Ab sofort erhebe ich übrigens schiefe Fotos zur Kunstform.)
Kaatz war ein Schüler Curt Lahs', von dem vor drei Jahren einige Arbeiten in Berlin zu sehen waren. Von Kaatz ist nur wenig bekannt, anscheinend nur noch so wenig, dass dieses Bild von einem Antiquitätenhändler auf die Zeit um 1920 datiert wird. Demnach hätte er es als Elfjähriger gemalt, wurde er doch 1909 im damaligen Hoppendorf bei Danzig geboren. Er studierte erst in München, dann in Berlin, wo er bis 1940 als freier Maler lebte. Aus dieser Zeit sind keine Bilder erhalten geblieben, denn vier Jahre später wurde sein Atelier bei einem Luftangriff zerstört. Von 1949 an arbeitete er als Kunsterzieher*, stellte aber auch noch regelmäßig aus. Seine Rente hat er vermutlich gar nicht mehr bekommen, er starb mit 62 Jahren.

Erich Kaatz: Fischerdorf am Felsen, undatiert (und schlecht fotografiert. Das Original leuchtet dagegen geradezu. Ab sofort erhebe ich übrigens schiefe Fotos zur Kunstform.)
Kaatz war ein Schüler Curt Lahs', von dem vor drei Jahren einige Arbeiten in Berlin zu sehen waren. Von Kaatz ist nur wenig bekannt, anscheinend nur noch so wenig, dass dieses Bild von einem Antiquitätenhändler auf die Zeit um 1920 datiert wird. Demnach hätte er es als Elfjähriger gemalt, wurde er doch 1909 im damaligen Hoppendorf bei Danzig geboren. Er studierte erst in München, dann in Berlin, wo er bis 1940 als freier Maler lebte. Aus dieser Zeit sind keine Bilder erhalten geblieben, denn vier Jahre später wurde sein Atelier bei einem Luftangriff zerstört. Von 1949 an arbeitete er als Kunsterzieher*, stellte aber auch noch regelmäßig aus. Seine Rente hat er vermutlich gar nicht mehr bekommen, er starb mit 62 Jahren.
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Freitag, 2. September 2005
Les misérables
Bislang habe ich in Herzensdingen keinen ökonomischen Sachverstand walten lassen. Nachdem ich aber heute wieder einmal Post von der BfA bekommen habe, sollte ich das wohl besser schleunigst ändern. Vielleicht so:
Ansehnliche Akademikerin ohne vernünftiges Einkommen, aber vergnügter als ihr Blog, sucht wohlhabenden Mann zwischen 35 und 45 zwecks Heirat. Bei gegenseitigem Gefallen späteres Zusammenleben nicht ausgeschlossen. Ernstgemeinte Zuschriften mit Bild und Kopie des Rentenbescheids an ...
Und darauf jetzt noch einen Martini.
Ansehnliche Akademikerin ohne vernünftiges Einkommen, aber vergnügter als ihr Blog, sucht wohlhabenden Mann zwischen 35 und 45 zwecks Heirat. Bei gegenseitigem Gefallen späteres Zusammenleben nicht ausgeschlossen. Ernstgemeinte Zuschriften mit Bild und Kopie des Rentenbescheids an ...
Und darauf jetzt noch einen Martini.
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Mittwoch, 31. August 2005
Zärtlich ist die Nacht
In samtweichen Nächten wie dieser möchte ich niemals mehr schlafen gehen.
Im dünnen Sommerkleid stehe ich im dunklen Hof und schaue hoch zu den Sternen, die dem Dunst und den Lichtern der Stadt trotzen. Heute Nacht sind mehr als sonst zu sehen. Eigentlich sollte man jetzt zu zweit spazieren gehen, denke ich noch, bevor ich mich umwende, um dann doch ins Haus hineinzugehen.
Im dünnen Sommerkleid stehe ich im dunklen Hof und schaue hoch zu den Sternen, die dem Dunst und den Lichtern der Stadt trotzen. Heute Nacht sind mehr als sonst zu sehen. Eigentlich sollte man jetzt zu zweit spazieren gehen, denke ich noch, bevor ich mich umwende, um dann doch ins Haus hineinzugehen.
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Mmmmm
Reife Pfirsiche schmecken so köstlich, man könnte sich glatt darin wälzen, wenn man bei der Hitze nicht sowieso schon etwas klebrig wäre.
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Montag, 29. August 2005
Writing on the wall (I)

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Sonntag, 28. August 2005
Ringel-Architektur (fast)
Zur Abwechslung auch 'mal ein bisschen Ringel-Content. Es müssen ja nicht immer Strümpfe sein.

Ich habe keine Ahnung, ob sie im VEB Buntgarnwerk jemals Strümpfe hergestellt haben, wer weiß, ob Ringel in der DDR überhaupt erlaubt waren. Womöglich wäre das viel zu subversiv gewesen, hinter Punks war das MfS damals ziemlich hinterher. Heute werden dort Strümpfe vermutlich nicht einmal gestopft, sondern gleich weggeworfen und neue gekauft, geht schließlich schneller. Soll heißen: Man kann dort jetzt wohnen (3-D Panoramen).
Ganz früher, also bevor es die DDR gab, war es einmal die Wollgarnfabrik Tittel & Krüger, Aktien haben sie auch ausgegeben, da gehörte die Sternwoll-Spinnerei noch dazu. (Das habe ich jetzt nur geschrieben, weil mir der Name so gut gefällt. Sternwolle.)
In Weimar gibt es übrigens ein richtig geringeltes Haus, leider habe ich davon kein Foto.

Ich habe keine Ahnung, ob sie im VEB Buntgarnwerk jemals Strümpfe hergestellt haben, wer weiß, ob Ringel in der DDR überhaupt erlaubt waren. Womöglich wäre das viel zu subversiv gewesen, hinter Punks war das MfS damals ziemlich hinterher. Heute werden dort Strümpfe vermutlich nicht einmal gestopft, sondern gleich weggeworfen und neue gekauft, geht schließlich schneller. Soll heißen: Man kann dort jetzt wohnen (3-D Panoramen).
Ganz früher, also bevor es die DDR gab, war es einmal die Wollgarnfabrik Tittel & Krüger, Aktien haben sie auch ausgegeben, da gehörte die Sternwoll-Spinnerei noch dazu. (Das habe ich jetzt nur geschrieben, weil mir der Name so gut gefällt. Sternwolle.)
In Weimar gibt es übrigens ein richtig geringeltes Haus, leider habe ich davon kein Foto.
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Sonntag, 28. August 2005
Sing for absolution
Our wrongs remain unrectified
and our souls won't be exhumed.
- Muse: Sing for absolution -

In jüngster Zeit jedoch wanderte mein Blick häufiger nach oben, mehr und mehr störte mich ihr Dasein. Heute habe ich sie heruntergeholt und nach all den Jahren wieder hineingeschaut. Es gab Briefe, die haben mich auch jetzt noch berührt und gefreut, einige mich - erneut - traurig gemacht. Manche ließen mich kalt, manche mochte ich gar nicht mehr lesen, egal, ob sie von dem Mann oder mir stammten. Our wrongs remain unrectified.
Dann nahm ich die Briefe und ging hinaus.
Als die Flammen höher schlugen, habe ich leise gesungen.
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Was wäre, wenn …
Die Materialien wählen mich aus, sie kommen zu mir, sind dann da, wenn ich sie brauche und wie ich sie brauche, es ist teilweise mein eigener Müll oder geschenkter Müll. Homeless müllness, Internetimpressionen. Die Parfumflaschen sammeln sich ja an über die Jahre, ich kann es selber nicht glauben, was ein Mensch so glaubt, an Lippenstiften zu brauchen!
So etwas Ähnliches hatte ich auch gedacht, als ich im Juni freiwillig für ein paar Tage offline ging und meinen Badezimmerschrank ausmistete. Eine riesige Tüte voller Parfums, Kajal- und Lippenstifte, Rouge und allerlei anderen Kram warf ich weg. Die Malerin Anna Meyer war mutiger als ich, sie baute Modelle daraus. Ginza heißt dieses, ich sah es vergangenen Dienstag in der Ausstellung Was wäre, wenn … in der Galerie für Zeitgenössische Kunst.
Vielleicht, dachte ich, kommt Kunst eben nicht nur von Können, sondern genauso sehr auch vom Mut, solche Dinge einfach zu tun. Was wäre, wenn …

Eines meiner Lieblingsparfums ist übrigens auch dabei, da rechts steht es. Und in meinem Badezimmerschrank.
- Anna Meyer -
So etwas Ähnliches hatte ich auch gedacht, als ich im Juni freiwillig für ein paar Tage offline ging und meinen Badezimmerschrank ausmistete. Eine riesige Tüte voller Parfums, Kajal- und Lippenstifte, Rouge und allerlei anderen Kram warf ich weg. Die Malerin Anna Meyer war mutiger als ich, sie baute Modelle daraus. Ginza heißt dieses, ich sah es vergangenen Dienstag in der Ausstellung Was wäre, wenn … in der Galerie für Zeitgenössische Kunst.Vielleicht, dachte ich, kommt Kunst eben nicht nur von Können, sondern genauso sehr auch vom Mut, solche Dinge einfach zu tun. Was wäre, wenn …

Eines meiner Lieblingsparfums ist übrigens auch dabei, da rechts steht es. Und in meinem Badezimmerschrank.
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