Montag, 17. September 2007
Mühlenwanderung mit meinem Vater
Lass uns doch heute durch das Tal mit den Mühlen wandern, sage ich zu meinem Vater am Telefon. Eigentlich muss er arbeiten, aber weil die Sonne so schön scheint, fällt es mir nicht allzu schwer, ihn davon abzubringen. Um die Mittagszeit treffen wir uns an der ältesten Kirche des Einrichs* und laufen los.

Über zehn Jahre ist es her, als wir den Wanderpfad zusammen gingen. Damals verlief er noch zwischen den Mühlen hindurch, doch schon an der ersten Mühle, der Ölmühle, geht es nicht mehr weiter. Der Weg ist nun privat und versperrt, wie uns der neue Besitzer erklärt. Wir drehen um und gehen durch den Wald an einem kleinen jüdischen Friedhof vorbei und kommen zur Neumühle.



Früher lebte dort ein Waldschrat. Vor seinen rabiaten Gänsen musste man sich in Acht nehmen. Seinen Ziegenbock hatte er zum Glück immer angekettet, der hätte einen nur zu gern auf die Hörner genommen. Die Mühle selbst war nur noch eine Ruine, das Dach eingefallen. Den nächsten Bewohner muss es eine Heidenarbeit gekostet haben, sie wieder so herzurichten.



weiter durch das Hasenbachtal geht es in den Kommentaren

*Sie steht in Niedertiefenbach, wurde 1248 geweiht und ist eine evangelische Kirche.

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Auch der Weg durch die Neumühle bleibt nun versperrt. Wir wandern weiter durch den Wald und an der kleinen Kläranlage vorbei quer über die Wiesen. Dann springen wir über den Bach, denn auf der anderen Seite ist ein Weg zu sehen.



Auf den Wiesen blühen sehr viele Herbstzeitlose. So viele sah ich schon lange nicht mehr.












Auf der anderen Seite folgen wir ein ganzes Stück dem Mühlgraben.












Mein Vater beschließt, dass wir wieder zurück über den Bach springen müssen.



Nur um kurz danach festzustellen, dass wir schon auf der richtigen Seite gewesen waren. Denn da kommen wir an diese Brücke und überqueren den Bach ein drittes Mal. :-)



Jetzt kommt die nächste Mühle in Sicht, sie heißt Uhus-Mühle.





Der Besitzer lässt nach wir vor die Wanderer passieren. Bestimmt ein netter Mensch, denke ich. Wir folgen wieder dem Bach.



Ich entdecke freischwebende Pilze.



Und überall im Tal wächst dieses Kraut. Es verdrängt sogar die mannshohen Brennnesseln.



Der Besitzer der Hasenmühle, erfahren wir später, betreibt irgendwo einen Esoterikladen. Er soll ein sehr unfreundlicher Mensch sein - die Schilder, die er aufgestellt hat, deuten auch daraufhin.



Auf dem Weg zur nächsten Mühle erzählt mir mein Vater, wie er dort zweimal einem freilaufenden Pferd begegnete. Mit dem war nicht gut Kirschen essen, sagt er. Es stieg hoch und ließ mich beim zweiten Mal auch nicht vorbei. Da, das Schild, das ist neu.



Heute treffen wir aber kein wildes Ross. Sondern nur auf schnatternde Gänse.



Und den Besitzer der Stemmelsmühle, der uns in eine Plauderei verwickelt. In den 1950er Jahren kam er aus Moers zum Wandern in diese Gegend und verliebte sich in die Mühle. 1961 kaufte er sie sich, und fortan werkelte die ganze Familie an unzähligen Wochenenden daran herum. Inzwischen ist er seit einigen Jahren im Ruhestand und lebt mit seiner Frau dort.



Da sie beide schon immer selbst mit Begeisterung wandern, lasse er alle Leute gern über sein Gelände laufen. Er freue sich immer, wenn jemand vorbeikomme. Das Schild habe er wegen der Mountainbikefahrer aufgestellt. Die hätten ihm nämlich schon seinen bunten italienischen Hahn wie auch seinen Gold- und seinen Silberfasan totgefahren. Nicht einmal angehalten hätten sie, erzählt er. Das wilde Ross war ein pensioniertes Polizeipferd, schuss- und demosicher. Sein Name war Eros. Nachdem er es nicht mehr reiten konnte, durfte es in den zwei letzten Jahren seines Lebens frei umherlaufen.

Nach einer halben Stunde verabschieden wir uns und setzen unseren Weg fort. Die Mountainbiker verfluche ich dabei auch einige Male im Stillen. Den Wanderpfad, denn mehr ist es nicht, haben sie mit ihren Reifen total zerfurcht, alles ist matschig. Endlich kommt die Altbäckersmühle in Sicht. Seit fast zwei Jahrzehnten ist sie nicht mehr zugänglich.



Mein Vater fragt mich, ob ich Lust auf ein Stück Kuchen hätte. Da muss ich nicht lang überlegen. Rechts neben der Arztmühle liegt die Obermühle, darin ist eine Wirtschaft, weiß mein Vater.



Doch die sieht etwas abgewirtschaftet aus, und Kuchen gibt es dort auch keinen. Also gehen wir weiter, vorbei an der Untermühle zur Mittelmühle.

Die Untermühle heißt inzwischen Tennermühle. Dicker Rauch steigt hinter ihr auf.



Und im Vorbeigehen hören wir dumpfes Getrommel. Vielleicht spielen die dort Indianer, sage ich. Die letzten Meter zur Mittelmühle ziehen sich ganz schön, aber zumindest bekommen wir dort ein Stück Kuchen.



Um kurz vor fünf Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Am Wegesrand stehen handtellergroße Steinpilze. Allerdings hat die vor uns auch schon jemand entdeckt, der Hunger hatte.



Auf dem Rückweg laufen wir nicht wieder querfeldein, sondern auf dem Waldweg am Klärwerk vorbei. An den steileren Stellen muss mein Vater etwas langsamer gehen. Sein Herz.



Abends koche ich uns noch etwas bei ihm zu Hause. Beim Abschied sagt mein Vater: Das war eine sehr schöne Wanderung, hat mir richtig gut gefallen.

Mir auch.

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was für ein schöner bericht, danke.

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Gern geschehen. Leider konnte ich kein Foto von der Ölmühle machen, weil der Besitzer dort zugange war. Er machte mir nicht den Eindruck, als ob es ihm recht wäre, wenn ich sein Wochenenddomizil fotografiere.

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mein Haus hätte genauso eine Mauer, wie das rechte auf dem ersten Bild.

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Das gehört zur Neumühle, da man dort leider nicht mehr den Pfad mitten durch das Anwesen nehmen kann, weiß ich leider nicht, was darinnen ist. Ich schätze, es war ein Stall.

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