Dienstag, 12. Dezember 2006
This charming man

Does the body rule the mind
Or does the mind rule the body?

- The Smiths: Still ill -

Viele von denen, die hier herumstehen, haben diese Songs allenfalls in der Wiege gehört, wenn überhaupt. Teilweise sehen sie sogar so aus, als hätte sie es noch gar nicht gegeben, als die Band auseinander ging. Es ist halb acht Uhr und noch ziemlich leer. Neben uns postieren sich zwei kahl rasierte Jungs im Bronski-Beat-Schick und L*nsdale-Jacken. Das Publikum ist sehr gemischt, Morrissey-T-shirts sind aber bei Jungs aller Altersklassen beliebt, zum Glück sind die meisten Kerle um uns herum nicht so groß.

Ein Schlagzeuger und eine Sängerin am Keyboard tauchen auf der Bühne auf. Keine Ahnung, wie die Vorgruppe heißt, ihr Name ist Chris Kris und sie fühlt nichts, soviel lässt sie uns später zumindest immer wieder einmal wissen, den Namen des Typen habe ich schon wieder vergessen. Als also jene Kris die ersten Töne von sich gibt, gibt es im ersten Moment verdutzte Gesichter, dann Gegrinse. Sie erreicht Höhen, bei denen mir meine Stimme kläglich versagen schwindelig würde. Welche Platten sie früher gehört hat, ist auch unschwer zu erraten. Leider liegt unter ihrer Stimme bei jedem Song mehr oder weniger der gleiche Klangteppich, und sie schraubt sich vorhersehbar hoch, so dass es doch ziemlich lange 45 Minuten werden. Gut, dass die schon um viertel vor acht begonnen haben.

Danach gibt es ein musikalisches Potpourri auf dem überdimensionierten Laken vor der Bühne zu begucken. Musikladen, Grand Prix und allerlei Zeugs aus einer Zeit, da hat es auch mich noch nicht gegeben. Die T-shirt-Jungs versuchen ihren Helden mit Morrissey, Morrissey herbeizusingen, es hilft aber nichts. Erst der türkische Tabak macht der Warterei ein Ende. Panic in the streets of London …

Das Alter steht ihm. Gut sieht er aus und ist ebenso aufgelegt. Die hellblaue Krawatte über dem schwarzen Hemd verschwindet bald. Er flirtet mit den Fans, denen er zwar nicht das letzte Hemd, aber immerhin drei zuwirft, nachdem er sie sich vom Leib gerissen hat. Knöpfe und Fans springen durch die Gegend. Einer der L*nsdale-Jungs kaut seinen Kaugummi permanent im Takt. Auch eine Leistung.

Vorne wabert gerade ein bisschen Trockennebel, Pasolinis Konterfei weicht zwischendurch auch einmal einem psychedelischen Muster. Insgesamt könnte der Sound noch ein bisschen besser sein, Morrisseys Stimme klingt aber gut, es wird auch ordentlich auf die Pauke gehauen und gibt auch ziemlich was auf den Gong. Da freut sich der Solar Plexus. Doch nach gut 90 Minuten ist auch schon wieder Schluss, er lässt sich auch nur zu zwei Zugaben bewegen, immerhin mit einer rührenden Textänderung bei Please, please, please, let me get what I want.

Tonight the mind ruled the body. Meine Seele brauchte einfach einmal Ausgang. Gesundheitlich wäre es wahrscheinlich besser gewesen, daheim zu bleiben.
But as he said: This evening the motto is: Why worry?

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Wenn du uns meinst: Aber immer!
Wenn du dich meinst: Kopf hoch!

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Gleich. Muss noch fertig schreiben.

Edit: Da oben stand zuvor nur: Bitte noch etwas Geduld.

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hui, jetzt freu ich mich noch mehr - freitag is das schnittchen und ich dran beim meister!

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Viel Vergnügen. In Berlin, sagte er, lief der Kartenverkauf gut, in Hamburg solala und in München gar nicht gut. Banausen.

Ich geh jetzt wieder meine Wunde pflegen. Morgen in aller Früh werde ich wieder zum Verbandswechsel eingesammelt.

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naja, wenn er schon zu mir nach hause kommt, wollte ich mal nich so sein. er ist praktisch direkt gegenüber. vielleicht lade ich ihn danach auf ein bier zuhause ein, aber eher nicht.

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Ich habe zwar nie Bier im Haus, aber ich würde ihn zu mir einladen. Vielleicht mag er ja auch Tee oder sowas.

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Herr Lucky, Sie werden ihn morgen Abend einladen müssen. Bei mir tauchte nämlich heute diese Frage auf. Ich habe keine Ahnung, nach was der riecht, also seien Sie bitte so gut und finden Sie es heraus. Und bei der Gelegenheit werfen Sie doch bitte auch gleich einmal einen Blick auf seine Schuhe. Ich habe mich nämlich neulich gefragt, ob er als Veganer in Plastikschuhen herumläuft. Falls ja, ziehen Sie ihm die aber auf keinen Fall aus, ich glaube, das riecht nicht so gut.

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gacker, was die leute für kummer haben... also ich wette, daß herr m. ganz schicke italienische schuhe trägt, eitel wie er ist. und daß ihm das in dem fall wichtiger ist als die tiere, die ja bekanntlich dann eh schon tot sind.

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Please, please, please, let me have who I want ... habe ich vergangene Nacht im Bett noch eine ganze Weile leise vor mich hin gesungen. Habe jetzt gleich einmal die LP herausgekramt und aufgelegt. The Smiths Hatful of hollow wird für alle Zeit für mich unmittelbar mit dem Geruch von Brixton verbunden bleiben.

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für mich riechen die smiths nach londoner u-bahn. die hatte ich immer als kassette (!) auf dem walkman (!) als ich da einige zeit sehr intensiv unterwegs war.

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Ah, der unverwechselbare Geruch der Londoner U-Bahn, auch sehr fein.

Meine Mitbewohnerin besaß die Platte , die war damals gerade herausgekommen. Sie legte die immer zum Bügeln auf und ich rief ihr von Wohnzimmer ein Stockwerk tiefer zu, sie möchte bitte noch etwas lauter machen. Ocean Rain von Echo & The Bunnymen und ein frühes R.E.M.-Album gehören auch in die Zeit, als wir über einem Obst- und Gemüseladen in Brixton wohnten. Hier in meiner Wohnung ist es heute ähnlich kühl wie damals in unserer WG ohne Zentralheizung, nur mit electric fire.

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Tja, die Seele
Schöner Artikel, sehr schön. Was die Altersfrage angeht, bedaure ich ja, die Doors nicht mehr life erlebt zu haben...

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Dankeschön.

Ehrlich gesagt, gefällt mir dieser Artikel auch weniger, die gute Dame hat bei der Zugabe nicht einmal richtig zugehört. Hingeguckt hat sie auch nicht, denn dass der Mann einen Ring trägt, einige seiner Songs nach überschwenglicher Verliebtheit klingen und wie er über Sex singt, wird allgemein so aufgefasst, dass es jetzt sehr wohl jemandem in seinem Leben gibt.
Und für seinen Humor scheint sie auch keinen Sinn zu haben. Very cheap indeed.

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Ok, Leute, nachdem Ihr hier dauernd nach der Vorgruppe sucht, verrate ich es Euch jetzt: Kristeen Young. Und jetzt googelt weiter.

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Im Juni, kurz nach meinem Geburtstag, spielt Morrissey quasi vor meiner Haustür. Aber 55 Euro? Hmm, ich weiß ja nicht ...

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