Dienstag, 24. Juni 2008
Fragen der Menschheit (VIII)
Hat eigentlich irgendjemand noch einen Überblick, wie viel Geld bis heute aus aller Welt in die palästinensischen Gebiete als Aufbauhilfe geflossen sind? Was damit gemacht wurde und welche Summen davon irgendwo verschwanden?
Und wie viel Geld die Hamas bislang aus dem Ausland so bekam? Frag ja nur.

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Nun ja, es war bestimmt eine Menge. Das meiste ist wohl in Flughäfen, Schulen und Transformatorenhäuschen geflossen, die dann umgehen von den Israelis wieder gesprengt wurden. (Nicht, dass ich etwa genaueres wüsste.)

Viel spannender finde ich die Frage, wieviel Geld man sich da unten grad wegen der externen Hilfe sparen konnte, um so flockig wieder weitere Waffen und Munition zu kaufen.

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Das wäre dann meine nächste Frage gewesen. Und dann, was man alles mit der Kohle, die die Hamas so für Waffen usw. ausgibt, hätte bauen können.

Was die externe Hilfe, die jetzt gerade zugesagt wurde, angeht, so vermute ich, dass das, was damit passieren soll, sonst gar nicht passiert wäre. Diesmal geht es wohl um die Ausbildung von Leuten, von wegen Rechtsstaatlichkeit durchsetzen und so.

Aber die Gesamtsummen hätten mich trotzdem mal interessiert. Wahrscheinlich hätte man sich davon anderswo ein fix und fertig eingerichtetes Palästina kaufen können.

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Mal stöbern.
Sofort & Neu, da geht einiges.

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Zumindest genug, um der Witwe von Jassir Arafat ein weitgehend sorgenfreies Leben in Paris zu ermöglichen und genug, um etwa ein Dutzend (!) palästinensische Geheimdienste zu implementieren und am Leben zu erhalten.

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Zwölf palästinensische Geheimdienste? Sind die auch noch mit etwas anderem beschäftigt, als sich gegenseitig auszuforschen?

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Ja, sind sie.

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Es ist grauenhaft, klingt aber nicht zwingend nach der Tat von Geheimdienstlern - allenfalls danach, dass mindestens einer der Geheimdienste nicht vorab über diese Attentatspläne ausreichend informiert war.

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Zumindest ein Mitglied eines dieser Geheimdienste.

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p/s: Wie kann man den Nicknamen seines Profils ändern? Meiner ist für diesen Zusammenhang nicht richtig.

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Sein eigener Geheimdienst hat es also vorab nicht mitbekommen.

Ich glaube, Ihren Namen können Sie gar nicht mehr ändern, da müssten Sie sich einen neuen Nick zulegen. Aber lassen Sie ihn ruhig so, wir kennen Sie bereits unter diesem Namen und wissen ja, dass er sich nicht auf diesen Zusammenhang bezieht.

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Oder die Information nicht an ihn weitergegeben. Kommt auch vor, intern sind sich nicht alle immer grün. Das ist in diesem Fall aber wilde Spekulation, ich weiß nichts Näheres davon.

[Danke für die Auskunft. Dann werde ich ihn lassen, anonym wäre noch unrichtiger.]

Eine andere Frage: Sie haben in einem anderen Blog auf einen Beitrag vom Januar verwiesen. Da ging es um eine Dame mit Tochter in prekären Lebensumständen. Bestehen diese noch? Wenn so: Kann man den beiden gelegentlich eine Kleinigkeit zukommen lassen? Am liebsten anonym (hier für mich richtig).

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Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihnen jetzt erst auf ihr großherziges Angebot antworte. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht genau, wie es derzeit um meine Nachbarin steht. Sie bekam später tatsächlich einen Job, machte sich auch gut darin. Vor ein paar Monaten traf ich sie aber, da hatte sie an dem Tag gerade eine fristlose Kündigung bekommen - wegen Spionage oder Sabotage oder irgendsoetwas absurdes. Sie hatte nicht viel Zeit, um mir genaueres zu erzählen, aber sie hatte schon einen Termin beim Anwalt, um dagegen zu klagen. Sie sagte, dass es Probleme gegeben hatte, seitdem eine neue Kollegin eine Affaire mit dem Chef angefangen hatte, die stecke auch dahinter. Seither habe ich sie nicht mehr länger gesprochen, darum weiß ich nicht, was daraus wurde. Mein Leihkind treffe ich auch seltener, dank "G8" hat sie nachmittags immer lange Schule, und die Wochenenden verbringt sie häufig mit ihrem Vater.

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So. Jetzt ist der Bildschirm geputzt. Spionage. Man sollte nicht trinken beim Bloglesen. Die Abfindung war hoffentlich hoch. Würden Sie darüber schreiben, falls Sie erfahren, wie es den beiden jetzt geht?

Alles Egoismus. Ich war auch mal so ein Kind. Das war meistens nicht so schlimm für mich. Nur nicht einfach schenken zu können, das war immer schlimm. Nachholen macht aber Freude.

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Es klang ziemlich absurd, darum hätte ich selbst gern gewusst, wie die Geschichte ausgegangen ist. Doch die seltenen Male, wo wir uns in jüngster Zeit im Hof über den Weg gelaufen sind (wir wohnen nicht im selben Haus), war sie immer auf dem Sprung.

Mein Leihkind hat gerade Ferien, vielleicht ist sie wieder mit ihrem Vater auf den Reiterhof gefahren, sie liebt Pferde. Und Jungs fangen wohl auch an, allmählich interessant zu werden. Jedenfalls hatte sie mir im vorigen Jahr erzählt, auf dem Reiterhof habe es einen Jungen gegeben, "der fand mich gut".

Ja, nicht einfach schenken zu können, ist schlimm.

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Heute traf ich endlich mal wieder mein Leihkind. Morgen fährt sie mit ihrem Vater für drei Wochen auf den Reiterhof. Die Schule findet sie doof (leider liest sie sehr wenig, das ist mir schon früher aufgefallen, als sie lesen gelernt hatte). Auf Nachfrage erzählte sie, die Mutter sei gerade im Urlaub gewesen und habe auch wieder eine neuen Job.

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Oh! Erfreuliche Nachrichten (bis auf das Lesen, aber das ist in meinen Augen), danke sehr. Hoffentlich gefällt es dem Leihkind auf dem Reiterhof und der Mutter im Job.

Schule doof zu finden ist vielleicht eine Sache des Alters? Oder hat sie "reale" Gründe? Stoff langweilig, Lehrer unangenehm, oder die Mitschüler?

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Ja, schön zu hören, Glückwunsch unbekannterweise!

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Den kann ich leider nicht ausrichten, sie weiß gar nicht, was ich hier treibe - dieses Blog ist doch geheim. ;-)

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Ach – Sie sind das! Ich habe mich immer schon gefragt, wer Herr oder Frau Praschl sei.

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Herrn Praschl bin ich vor einigen Jahren sogar mal in Hamburg kurz begegnet, damals war sein Blog noch nicht geheim.

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Oh. Es gibt diesen Herrn wirklich. Ich habe gelesen von seinem Geheimblog, dachte aber immer, es sei alles nur ein Scherz.

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Aber gewiss doch. Er hat sogar schon etliche Bücher geschrieben. Es gab mal von ihm einen furiosen Text über Vaginalverjüngungen, der leider nicht mehr online zu finden ist.

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Nichts auf Erden, das es nicht gibt. Vielen Dank für den Hinweis. Sie haben Post.

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Zählt statt Aufbauhilfe auch humanitarian aid? Wenn so: statt Gesamtüberblick auch Informationsstücke? Dann siehe für Beiträge
- EU
- USA
- UNRWA (enthält einen Teil der EU- und USAID-Beiträge)

Für das Sanktionsjahr 2006:
- ECHO und individuelle Beiträge derMitgliedsstaaten: rund 154 Millionen €
(vor den Sanktionen: jährlich ca. 60 Mio)
- USA: 1,4 Milliarden $
- UNRWA-Budget: 570 Mio $ (360 Mio ordentlich, 210 Mio ausserordentlich)

Plus: Spenden anderer Geberländer, NGOs und von Privaten.
Einwohnerzahl: ca. 4 Mio

Kann man was lernen über Fundraising.

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Allerdings. Was aber auch bedeutet, dass eine Menge Leute, die daran verdienen, gar kein so großes Interesse daran haben können, dass da jemals Ruhe und Frieden einkehrt.

Danke für die Infos und Links.

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Was aber auch bedeutet, dass eine Menge Leute, die daran verdienen, gar kein so großes Interesse daran haben können, dass da jemals Ruhe und Frieden einkehrt.

Die Deutschen sind nicht nur Exportweltmeister, sondern auch ein sehr humanes Volk. Was die sogenannten Geberländer als Aufbauhilfe in welche Länder auch immer transferieren, ist gut angelegtes Geld. Das kommt in Form von Rüstungsaufträgen um ein Vielfaches zurück. Den Exporteinnahmen nach ist Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenlieferant der Welt, noch vor UK oder Frankreich. Ich erinnere mich, neulich ein paar Zahlen aus 2006 in der Größenordnung von ca. 4 Milliarden Dollar gelesen zu haben. Erwähnenswert ist auch, dass die größten Waffenexporteure als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat vertreten sind. Hier schließt sich der Kreis.

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Ja, bundesdeutsche Firmen sind schon seit jeher bei Rüstungsexporten gut dabei. Ohne, dass der Bundeskanzler immer die genauen Zahlen kannte, das dürfte heute allerdings anders sein, auch wenn die Koalitionsregierung da so tut, als sei die Regierung in der Hinsicht restriktiv.

Ich kann mich dunkel daran erinnern, in meiner Jugend mal eine Zeitschrift der IG Metall(?)-Jugend in der Hand gehabt zu haben. Da war ein Artikel drin, in dem es um die Frage "Arbeitest Du auch für die Rüstungsindustrie ohne es zu ahnen?" ging. Es ging um vermeintlich harmlose Dinge wie beispielsweise optische Linsen oder irgendwelcher Elektronikkleinteile, die dann für Waffen weiterverwendet werden. Es gab sogar eine praktische Übersicht, welche Unternehmen was herstellt und wofür es in der Rüstung eingesetzt wird.

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Was aber auch bedeutet, dass eine Menge Leute, die daran verdienen, gar kein so großes Interesse daran haben können, dass da jemals Ruhe und Frieden einkehrt.

Hamas, Fatah und UNRWA jedenfalls kaum. Alle drei würden ihre Existenzberechtigung verlieren. Die ersten beiden auch ihre, sagen wir: Nebeneinkünfte sowie den Sündenbock, der es ihnen bisher erspart hat, sich um triviale Dinge zu kümmern: Wirtschaft, Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen, Familienpolitik, Verkehr, Müllabfuhr, Kanalisation, Kläranlagen, etc. – das, wofür die Zahlungen aus dem Ausland eigentlich gedacht wären.

Vor Start der II. Intifada gab es Landwirtschaft, Werkstätten, Dienstleistungsbetriebe, Handel, kleine Software-Firmen; Fabriken entstanden, Investitionen aus dem Ausland kamen, es war wirklich, wirklich erfreulich. Offenbar fand man das alles aber weniger wichtig als dem Ruf zur "Verteidigung" des Tempelbergs gegen den Besuch eines alten Mannes zu folgen. Schade, aber wenn das ihr Glück ist, kann man die Leute zu keinem anderen zwingen. Ob man es weitere 60 Jahre finanzieren will, ist allerdings durchaus eine Überlegung.

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Tja, unsere gute alte Demoparole "deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt" trifft es immer noch ziemlich gut. Und es liegt im imperialistischen Interesse, dass sich in der Region nichts ändert. Wer hat denn Hamas aufgebaut? Saudi Arabien unter tätiger Mithilfe des CIA und der israelischen Geheimdienste Shin Beth und Mossad, um den linksradikalen Palästinenserorganisationen Volksfront für die Befreiung Palästinas, Demokratische Front für die Befreiung Palästinas und Palästinensische Befreiungsfront die Mitgliederbasis abzugraben, um soziale, klassenkämpferische Forderungen durch religiösen Fanatismus zu ersetzen und insbesondere die Emanzipationsbestrebungen palästinensischer Frauen einzubetonieren. Voller Erfolg, die palästinensische Linke ist bedeutungslos, bei den Namen ihrer Organisationen denkt man nur noch an Life of Brian. Die Forderung der DFLP "zwei Nationen, zwei Staaten, Fortschrittsträger des Nahen Ostens Seite an Seite" bezogen auf Israel und Palästina ist völlig utopisch geworden, stattdessen haben wir einen dauernden Belagerungszustand. Israel erscheint nicht als ein Staat, der der Region eine Entwicklungsperspektive anzubieten hätte, sondern als ein Implantat US-amerikanischer Interessen. Palästina erscheint nicht als Keimzelle eines neuen Staates mit emanzipatorischen Impulsen, sondern als ein zerstückeltes, eingezäuntes, ausgepowertes Territorium, dessen Bevölkerung kollektiven Lagerkoller bekommt. Konkurrenz bekommt die Hamas ausgrechnet durch den Dschihad al Islami, eine direkte Interessensorganisation des Iran.


Btw und doch könnte die Bedeutung, die die Tel Aviv Area als Standort von IT-Betrieben hat in Synergie mit der jungen Softwarebranche in Ramallah tatsächlich eine Perspektive bedeuten, wenn dafür die politischen Weichen gestellt würden. Aber die arabischen Potentaten brauchen das palästinensische Elend zur Aufrechterhaltung ihrer anachronistischen Schreckensregime, und Israel hat eine der inhomogensten, konfliktanfälligsten Gesellschaften der Welt, die sich möglicherweise auch nur durch die dauernde Frontsituation zusammenhalten lässt.

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Und es liegt im imperialistischen Interesse, dass sich in der Region nichts ändert. Wer hat denn Hamas aufgebaut? Saudi Arabien unter tätiger Mithilfe des CIA und der israelischen Geheimdienste Shin Beth und Mossad, …

Wie sah diese Aufbauhilfe aus, und gibt es dafür Belege?
Meines Wissens entstand die Hamas während der ersten Intifada aus der Muslimbruderschaft, ausdrücklich als Terrororganisation (
"There is no solution for the Palestinian question except through Jihad. Initiatives, proposals and international conferences are all a waste of time and vain endeavors."
) Sie ermordete Palästinenser, die in Verdacht standen, mit Israel zusammenzuarbeiten, und griff anfangs israelische Militärs an, konzentrierte sich aber schon bald auf Zivilisten. Seit 2006 überlässt sie die Attentate auf letztere den diversen Brigaden und beschränkt sich darauf, sie in offiziellen Statements zu rechtfertigen. Für was ich weiss, bezieht man die Waffen nicht aus Deutschland, sondern aus dem Iran und aus Syrien. Ich kann mich aber irren.


… um den linksradikalen Palästinenserorganisationen Volksfront für die Befreiung Palästinas, Demokratische Front für die Befreiung Palästinas und Palästinensische Befreiungsfront die Mitgliederbasis abzugraben, um soziale, klassenkämpferische Forderungen durch religiösen Fanatismus zu ersetzen und insbesondere die Emanzipationsbestrebungen palästinensischer Frauen einzubetonieren.

Falls Sie mit "Volksfront für die Befreiung Palästinas" die PFLP meinen: Sie widersetzt sich explizit einer Zweistaaten-Lösung und den Olso-Abkommen. Sie scheint mehr von Entführungen und Terror zu halten.
Ihre Abspaltung DFLP (=Demokratische Front zur Befreiung Palästinas?) und deren bewaffneter Arm Palästinensische Befreiungsfront unterscheiden sich von ihr durch das verbale Bekenntnis zu zwei Staaten. Was ihre Praxis betrifft, so fallen mir zu ihren Namen eher Avivim und Ma'alot ein als Life of Brian. Vielleicht können Sie erklären, inwiefern derartige Aktivitäten den Sozialismus und die Emanzipation der palästinensischen Frauen befördern? Mir ist es nämlich ein Rätsel.

Israel erscheint nicht als ein Staat, der der Region eine Entwicklungsperspektive anzubieten hätte …

Könnten Sie erläutern, weshalb ausgerechnet "Death to" Israel sich als Entwicklungshelfer der Region betätigen sollte und wie das anstellen? Das Land hat alle Hände voll zu tun mit sich selbst. Unter anderem mit der Versorgung der eigenen Bevölkerung.
(Nebenbei: Wussten Sie, dass rund 700'000 Vertriebene allein aus den diversen arabischen Ländern nach Israel kamen? Würden sie und ihre Nachkommen, fast die Hälfte der israelischen Bevölkerung, noch von ihren verlorenen Besitztümern träumen, lebten sie vermutlich immer noch so.)

Palästina erscheint nicht als Keimzelle eines neuen Staates mit emanzipatorischen Impulsen, sondern als ein zerstückeltes, eingezäuntes, ausgepowertes Territorium, dessen Bevölkerung kollektiven Lagerkoller bekommt.

Die Autonomiegebiete sind nicht ein-, sondern ausgezäunt, und das hat Gründe. Dass ihre Nachbarn Jordanien, Libanon und Ägypten wenig von freiem Grenzverkehr halten, geht vielleicht zurück auf die dortigen Aktivitäten der palästinensischen Linken?

Mir scheint, das grösste Problem der Autonomiegebiete sind nicht "Imperialistischer Interessen" von aussen. Es ist ein Selbstgezüchtetes: Propagiert man jahrzehntelang Mord als höchstes Ziel, und akzeptiert ein breiter Teil der Bevölkerung diese Sichtweise, so hat das Einfluss auf die Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft. Es ist nun die dritte Generation, der man von klein auf systematisch beibringt, nichts, weder soziale noch kulturelle noch wirtschaftliche Leistungen, sei so wichtig und ruhmreich wie das Ausführen eines Attentates, das möglichst viele Menschen tötet. Man macht ihnen weis, sie müssten sich nicht kümmern um ihre Zukunft und den Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft, denn sobald Israel vernichtet sei, kämen Latifundien in ihre Hände und der Wohlstand von selbst über sie. Für die Zwischenzeit gibt es ja die Hilfsgelder aus dem Ausland und für die Märtyrer das Paradies.

Btw und doch könnte die Bedeutung, die die Tel Aviv Area als Standort von IT-Betrieben hat in Synergie mit der jungen Softwarebranche in Ramallah tatsächlich eine Perspektive bedeuten, wenn dafür die politischen Weichen gestellt würden.

Ich fürchte, dafür müssten gesellschaftliche Weichen gestellt werden, in den Autonomiegebieten selbst. Sehen Sie dazu Ansätze?

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@arboretum: Entschuldigen Sie bitte die Länge.

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Ach was, kein Problem. Hier ist doch genug Platz.

Das mit den einbetonierten Emanzipationsbestrebungen der Frauen habe ich aber nicht unbedingt auf die ganzen anderen palästinensischen Organisationen bezogen. Oder hatte sich etwa irgendeine davon Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben? Kam mir nicht so vor.

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Ach was, kein Problem.

:)

Das mit den einbetonierten Emanzipationsbestrebungen der Frauen habe ich aber nicht unbedingt auf die ganzen anderen palästinensischen Organisationen bezogen.

Ups, stimmt: muss man nicht so verstehen. Entschuldigung also an Che2001, falls ich las, was er nicht meinte.

Oder hatte sich etwa irgendeine davon Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben?

Jetzt, wo ich es mir ganz genau überlege: Vielleicht war die Emanzipation so selbstverständlich, dass sie nicht auf Fahnen stehen musste? Die Frauen durften bei diesen Organisationen ja schon in den Sechzigern beides: Shaheed sein und ermordet werden. Insofern wäre die Saudi-Intervention gescheitert, denn bei Hamas ist das nicht anders.

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Bin gerade auf dem Sprung, daher vorab eine Expressantwort: Die DFLP ist keine Abspaltung der PFLP und die PLF kein bewaffneter Arm der PFLP. Die PFLP hat den Oslo-Prozess entscheidend in Gang gebracht, in Zusammenarbeit mit der israelischen Peace-Now-Bewegung. Dass sie heute nicht im Friedenslager steht, hängt mit der Weigerung Israels zusammen, einem Rückkehrrecht für Exil-PalästinenserInnen zuzustimmen, da die DFLP eine fast reine Exilorganisation ist. Zu den anderen Fragen nehme ich Stellung, wenn ich die Zeit dazu habe.

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Gern! Ich bin gespannt.

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Prolog: Das, was im Allgemeinen die palästinensische Linke genannt wird, entstand Ende der 60er Jahre als Abspaltung aus dem Movement of Arabian Nationalists (MAN), dem radikalen Flügel des arabischen Nationalismus. Das MAN war hauptsächlich in Ägypten aktiv und bestand in seiner Mitgliederbasis etwa zur Hälfte aus Ägyptern und zur Hälfte aus Palästinensern. Es verfolgte die Utopie einer Vereinigten Arabischen Republik, die von Mauretanien bis zum Irak und von Syrien bis zum Sudan und Tschad reichen sollte. Durch Verteilung der Einnahmen aus dem Ölgeschäft sollte allen Arabern ein menschenwürdiges Leben ermöglicht werden. Mit dem Sechstagekrieg und der Besetzung der palästinensisch besiedelten Gebiete Westjordaniens durch Israel wurden für die Palästinenser im MAN die Probleme ihrer Volksgruppe wichtiger als die panarabische Vision, und so gründeten sich aus dem MAN mehrere linke Palästinenserorganisationen aus. Das waren die projugoslawische PLF, die prosowjetische PFLP, die zeitweise maoistische, dann aber an sozialistischen Staaten der Blockfreien-Bewegung (Kuba, Algerien, Ghana) orientierte DFLP und die Splittergruppen PFLP-SC, PFLP-GC und Fatah-Revolutionärer Rat, bei denen es sich um reine Terrororganisationen handelte, von denen die letztgenannte sich zu einer kommerziellen Killertruppe entwickelte. Die PFLP wie auch die DFLP hatten in den 70ern den Anspruch, den bewaffneten Kampf mit humaneren Methoden zu führen als die Al Fatah, dem sie aber in der Realität nicht immer gerecht wurden – zumindest hatten sie ihn aber in der Theorie. So war zwar das Entführen von Flugzeugen zur Durchsetzung politischer Forderungen durch Erpressung geradezu eine Erfindung der PFLP, aber in der Hochzeit der Organisation sollte hierbei den Geiseln nichts angetan werden. Leila Khaled etwa achtete sorgfältig darauf, dass alle Entführten genug Wasser bekamen. Aktionen wie die Mordanschläge der Gruppe Schwarzer September auf die israelische Olympiamannschaft, die Entführung von Entebbe mit der Selektion der Geiseln nach israelischen und nichtisraelischen Staatsbürgern und die Landshut-Entführung waren Terrorakte, die nicht von der PFLP bzw. von Abspaltungen, aber nicht von der Kernorganisation durchgeführt wurden. Anschläge auf israelische Schulbusse, Minen auf Zufahrtsstraßen zu Kibbuzzim oder Artilleriebeschuss israelischer Dörfer, das war die Handschrift der Al Fatah. Was nicht heißt, dass PFLP und DFLP so etwas überhaupt nicht gemacht hätten, aber: weniger häufig.

Als sozialistische Bewegungen richteten sich PFLP und DFLP nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die Eliten der palästinensischen Gesellschaft, wie Bankiers, Großgrundbesitzer und den islamischen Klerus. Entsprechend unterschied sich ihre soziale Basis von der der überwiegend bürgerlichen Al Fatah. So organisierten sich in den Gruppierungen besonders viele Arbeiter, Akademiker und palästinensische Christen, außerdem waren es stärker als die Al Fatah Exilorganisationen in der Diaspora. Die DFLP vertrat bereits in den frühen Siebzigern die „Zwei Nationen – Zwei Staaten“ Doktrin und war somit damals die einzige Palästinenserorganisation, die nicht die Zerstörung Israels forderte. Stärker als alle anderen Palästinenserorganisationen thematisierte die DFLP Fragen wie die Rückständigkeit der palästinensischen Gesellschaft und die Frauenfrage.

So, das war jetzt ein ziemlicher Riemen, aus meiner Sicht aber zum Verständnis notwendig. Jetzt komme ich zur Frage nach der Unterstützung der Hamas durch Israel, die USA und Saudi-Arabien. Die Hamas wurde nicht in der ersten Intifada gegründet, da wurde sie vielmehr zu der Terrororganisation, die sie heute ist. Entstanden ist die Hamas aber Ende der 70er als eine fundamentalistische Missionsorganisation der Moslembrüder von Gaza, und damals wurden sie von Israel finanziell und durch Überlassung von Gebäuden, die der israelischen Verwaltung in Gaza gehörten als Moscheen und Schulungszentren unterstützt, da die israelischen Geheimdienste Shin Beth und Mossad davon ausgingen, eine Organisation von Frömmlern könnte den palästinensischen Widerstand spalten. Dass islamistische Fundamentalisten viel brutalere Terroranschläge begehen würden als weltliche Gruppierungen lag jenseits ihrer Vorstellungskraft. In der Folgezeit unterstützten auch die USA die Hamas mit Geld und Organisationsberatung. Es war dies die Zeit, als die afghanischen Mudjaheddin von den USA bewaffnet und ausgerüstet wurden. Generell schätzte die CIA die Gefährlichkeit von Islamisten regelmäßig falsch ein; so wurden bis zur Machtübernahme Khomeinis in der iranischen Revolution nicht die Ayatollahs, sondern die Tudeh-Partei, also die von Leipzig aus ferngesteuerte kommunistische Partei des Iran und die Volksmudjaheddin, der persische Flügel des Baathismus als die eigentliche Gefahr betrachtet. Saudi-Arabien unterstützte dann die Hamas bis vor wenigen Jahren. Dies erfolgte aus einem ganz anderen Kalkül: erstens, weil die Saudis die Vernichtung Israels sehr wohl für erstrebenswert halten oder bis vor kurzem hielten. Und zweitens aus viel pragmatischeren Gründen: Auf den Ölbohrstellen Saudi-Arabiens und bei den öligen Emiren arbeiteten in den 70er und 80er Jahren sehr viele Palästinenser und Ägypter, für die lokale Zellen der PFLP und DFLP so etwas wie Quasi-Gewerkschaften waren, die sie ermunterten, soziale Forderungen zu stellen und zu Streiks agitierten. Durch den gezielten Aufbau von Hamas-Sektionen sollten ihnen die Basis entzogen werden – was meist auch funktionierte.

@“Btw und doch könnte die Bedeutung, die die Tel Aviv Area als Standort von IT-Betrieben hat in Synergie mit der jungen Softwarebranche in Ramallah tatsächlich eine Perspektive bedeuten, wenn dafür die politischen Weichen gestellt würden.

Ich fürchte, dafür müssten gesellschaftliche Weichen gestellt werden, in den Autonomiegebieten selbst. Sehen Sie dazu Ansätze?“ --- Da frage ich mal unseren Mann in Ramallah.

Persönlich unterstützenswert finde ich diese Leute hier, wobei Gadi ein alter Mitstreiter von mir ist:
http://www.nahost-politik.de/friedensbewegung/taayush.htm

Nebenbei gibt es ein paar Links, die zu dem Thema interessant sind:

http://www.hagalil.com/palaestina/nahost/hamas.htm


http://www.wsws.org/de/2002/jul2002/hama-j10.shtml

http://www.das-parlament.de/2006/07/ThemaderWoche/001.html

und zwei gute Bücher, nämlich

Gerrit Hoekmann, Zwischen Ölzweig und Kalschnikow. Geschichte und Politik der palästinensichen Linken, und Dilip Hiro, The rise of Hamas. Israel´s Nemesis

und hier lohnt es sich zu stöbern:

http://www.medea.be/

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"(...) Terrorakte, die nicht von der PFLP bzw. von Abspaltungen, aber nicht von der Kernorganisation durchgeführt wurden."

Kurze Rückfrage zum (logischen) Verständnis: Fehlt da ein Wort oder steht da am Anfang ein "nicht" zuviel?

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So war zwar das Entführen von Flugzeugen zur Durchsetzung politischer Forderungen durch Erpressung geradezu eine Erfindung der PFLP, aber in der Hochzeit der Organisation sollte hierbei den Geiseln nichts angetan werden.

Bei allem Respekt, aber zu den Stichworten "Entebbe" und "Mogadishu/Landshut" (wenn ich richtig dran bin beides Operationen der PFLP) fällt mir nur das ein: Menschenverachtender Zynismus.
Und bei allem Verständnis für irgendwelche revolutionären Befreiungsbewegungen, aber eine Entführung/ Freiheitsberaubung wird nicht dadurch "besser", indem man die Leute regelmäßig mit Wasser versorgt.

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Ja, die Szene, wie sie den erschossenen Flugkapitän aus dem Flugzeug auf die Rollbahn warfen, die vergisst man nicht. Genauso wenig wie die Bilder von der Geiselnahme während der olympischen Spiele in München 1972.

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@arboretum: Ich fürchte, ich werde das mit dem genug Platz wörtlich nehmen.

@che2001: Zuerst einmal: Danke für Antwort, Links und Literaturhinweise,
So, das war jetzt ein ziemlicher Riemen, aus meiner Sicht aber zum Verständnis notwendig.

Ich fürchte, ich hab vieles noch immer nicht verstanden:

1. Wie lange, schätzen Sie, hielt die moralische Hochzeit der PFLP an?

2. Wenn PFLP und DFLP nicht einverstanden waren mit den Attentaten ihrer bewaffneten Untergruppen, weshalb hielten sie diese dann nicht im Zaum bezw. trennten sich nicht von ihnen? Weshalb beeilen sie sich bis heute, die Urheberschaft für ihre Anschläge in Anspruch zu nehmen?

3. Wären Leila Khaleds Geiseln dank ausreichend Wasser weniger gestorben, wenn die Handgranate explodiert wäre?

4. Inwiefern hat die PFLP die Oslo-Abkommen entscheidend in Gang gebracht?
(Ich habe die letzten 15 Jahre in der Annahme verbracht, das hätten Mona Juul , ihr Mann Terje Rod-Larsen, Yossi Beilin, Ahmed Qurei und Yair Hirschfeld getan. Von einer Beteiligung der PFLP habe ich in Ihrer Expressantwort zum ersten Mal vernommen und wüsste gerne mehr darüber. Leider werde ich nirgends fündig.)

5. Wie sah das konkret aus mit der Aufbauhilfe der CIA und den israelischen Geheimdiensten für die Hamas?
Die verlinkten Seiten postulieren die zwar alle, verzichten aber mit einer Ausnahme auf konkrete Hinweise und Belege. Weiß man das einfach so?

Zur einzigen Ausnahme: Der Artikel auf der World Socialist Website zitiert einen Militärgouverneur nach Graham Usher: Er habe von der Regierung ein Budget erhalten, mit dem er islamische Gruppen finanziell unterstützt habe. Damit habe man ein Gegengewicht gegen die PLO-nahen linken Gruppierungen schaffen helfen wollen.
Ist das der konkreteste Beleg für die Aufbauhilfe? Ging sie an die Muslimbruderschaft, oder gab es damals noch weitere islamische Gruppen, die unterstützt wurden? Wie sah die Beteiligung der CIA aus?
(Damit wir uns richtig verstehen: Ich zweifle keine Sekunde am Talent Israels, sich ins eigene Knie zu schiessen. Es ist nur, dass ich ein wenig mehr Fleisch am Knochen vorziehe.)

6. Wie verhielt sich das mit PFLP und DFLP?
(Ich frage nach, weil der Irrtum sehr verbreitet zu sein scheint, die DFLP habe sich von der PFLP abgespalten. Es teilen ihn nicht etwa nur BBC, Orientalismus-Institute oder al-Bab: Sogar die DFLP selbst scheint davon befallen. Sie schreibt auf ihrer englischsprachigen Homepage, ideologisch-politische Konflikte im Arab Nationalist Movement hätten dazu geführt, dass die Abteilungen in ihren Ländern eigene, unabhängige Organisationen gegründet hätten. Aus dem Arm, der zur PFLP gehört habe, sei 1969 die DFLP entstanden.
(Sie werden verstehen, dass ich die DFLP hier nicht verlinke. Die Webseite ist über google aber problemlos auffindbar. Die zitierten Aussagen finden sich unter "The Foundation" im 1. und 3. Absatz.)


Vollkommen klar ist hingegen das mit der PLF. Mein Lapsus war übrigens noch schlimmer: So, wie ich (ver-)schrieb, wäre sie der bewaffnete Arm der DFLP. Was natürlich Unsinn ist. Deren Truppen nennen sich Brigaden – "Palästinensische Widerstandsbrigaden"? "Brigaden des palästinensischen Widerstands"?


Zu Gadi Algazi: Was tut er heute, und was ist aus der Taayush-Bewegung geworden? (Das Interview stammt aus 2002, die letzten Einträge auf der Taayush-Webseite stammen von 2007.)

Es gibt in Israel so viele wie ihn. Ihre Sichtweisen kann ich längst nicht (mehr) alle nachvollziehen, geschweige denn teilen.* Aber ich halte die meisten für ehrlich bemühte Leute, die für ihre Anstrengungen Achtung verdienen. Spätestens seit der Räumung des Gazastreifens und der nachfolgenden Entwicklung bin ich allerdings, sagen wir: ein wenig skeptisch, was den Erfolg betrifft.
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*Wenn Ihnen zum nächsten Mal ein palästinensischer Israeli von systematischer staatlicher Diskriminierung und Unterdrückung berichtet, von schlecht ausgestatteten Schulen und mieser Infrastruktur: Nachfragen sind sehr informativ. Vielleicht erkundigen Sie sich nach seinen Bürgerrechten, dem Rechtswesen, seinen Rechtsansprüchen; nach Stipendienwesen, Schulsystem, Lehrplan, Gemeindekompetenzen, Gemeindesteuern, Finanzierung der Infrastruktur und deren Zusammenhang? Wie es in seiner Gemeinde darum bestellt sei und wie in jenen, mit denen er seine vergleicht? Wenn ja: Wollen Sie es genau wissen. Es ist interessant.
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Meine Frage nach Ansätzen zum Umstellen von Weichen bezog sich aber weniger auf Israel. Da ist man der anderen Seite schon sehr weit entgegen gegangen. Es geht mir um die Gesellschaft in den Autonomiegebieten, und ich intressiere mich wirklich sehr für die Antwort des Mannes aus Ramallah.

In der Zwischenzeit: Haben Sie je von einer Demonstration in Gaza oder dem Westjordanland vernommen, die fordert, mit Attentaten und Abschuss von Raketen und Mörsergranaten aufzuhören? Oder einer, die von den Autonomiebehörden Rechenschaft über den Verbleib von Milliarden von Hilfsgeldern verlangt? Sie auffordert, sich um ihre Aufgaben zu kümmern und insbesondere die Abwasserrohre in Ruhe zu lassen? Der Gründung einer Partei, die diese Angelegenheiten zuoberst auf die Agenda setzt statt in eine ferne Zukunft zu verlegen?

Vielleicht von Leuten, die den Brigaden und Fronten sagen, sie sollen gefälligst ihre eigenen Häuser und Grundstücke als Abschussrampen benutzen? Die ihren im Elternhaus lebenden Söhnen und Töchtern verbieten, bei gewalttätigen Vereinigungen mitzumachen? Von einer Elternbewegung, die sich dagegen wehrt, dass ihren Kindern in Schule, Sommerlagern und Kindersendungen beigebracht wird, es sei erstrebenswert, sich und andere umzubringen? Von Eltern, die sagen: "Ja, Grossvater. Wir haben den Krieg aber verloren. Und nun pack die rostigen Schlüssel wieder ein und lass die Kinder ihr eigenes Leben leben"?

Ohne das, fürchte ich, sieht es schlecht aus für Frieden und ein prosperierendes Palästina.

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@"Terrorakte, die nicht von der PFLP bzw. von Abspaltungen, aber nicht von der Kernorganisation durchgeführt wurden."

Kurze Rückfrage zum (logischen) Verständnis: Fehlt da ein Wort oder steht da am Anfang ein "nicht" zuviel?" ---- Gemeint ist, dass dieses Aktionen von anderen Organisationen als der PFLP durchgeführt wurden, die teils gar nichts nichts mit der PFLP zu tun hatten, teils aber auch aus ihr abgespalten hatten.

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@gorillaschnitzel: Ich habe eben gerade deutlich gemacht, dass es nicht um Entebbe und Landshut ging, sondern hierum:

http://de.wikipedia.org/wiki/Leila_Khaled


Ich habe im Übrigen auch nichts für die Methoden der PFLP übrig, aber angesichts des Ausmaßes an Terror seitens Hamas und Djihad sollten doch mal die Relationen klar werden. Im Übrigen: Dass im Zuge dieser Auseinandersetzungen das jordanische Militär locker ein paarTausend Palästinenser, darunter auch Kinder umbrachte, darüber wird meist salopp hinweggesehen.#

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_September_%28Aufstand%29

Später, in Sabra und Shatila, hatten christliche Milizionäre sogar eine Begründung für das Ermorden palästinensischer Kinder. Sie lautete: "Aus Nissen werden Läuse."

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Im Übrigen: Dass im Zuge dieser Auseinandersetzungen das jordanische Militär locker ein paarTausend Palästinenser, darunter auch Kinder umbrachte, darüber wird meist salopp hinweggesehen.#

Nicht im Geringsten. Man misst im Westen nur gern mit zwei Maßen: einem für die arabischen Staaten und einem für den anderen. In die Schlagzeilen schaffen es vor allem jene Tote, die durch die Armee des letzteren umkamen. Seltsam, nicht?

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@gnihi: Ich habe niemals gesagt, die PFLP hätte irgendetwas für das Zustandekommen des Osloer Abkommens getan. Die DFLP, nicht die PFLP.

Entebbe, Carlos und so: Die PFLP hat jede Beteiligung an diesen Aktionen zurückgewiesen. Drei ihrer Mitglieder zählten trotzdem zu den Tätern. Inwieweit man von Abspaltungen der PFLP sprechen kann oder von einem instrumentellen Verhältnis der Front zu dieser Art Terror oder von irgendetwas dazwischen, das wäre jetzt eine Aufgabe für den Historiker. Ich bin ja einer, aber mein arabisch ist echt lausig, und ich habe keine Lust, beim Losfahren morgens erst mit einem Detektor unter mein Auto zu gucken ;-)

Hamas, Geheimdienste, die Finanzierung usw.: Es gibt eine Welt jenseits des Internets. Ich habe zwei Bücher genannt, in denen man zu diesem Thema etwas nachlesen kann. Besonders gut ist die Lage der erschlossenen Quellen zu dieser Frage allerdings nicht, was bei der Thematik ja auch nicht verwundert. Zur Thematik DFLP im Verhältnis zur PFLP und dem Terror: "Hinzu kommt, dass die DFLP eine Allianz mit der israelischen Arbeiterklasse für zwingend erforderlich hält. Nicht zufäälig war die Demokratische Front 1970 die erste Organisation der PLO, die offen zugab, Kontakte mit Israelis - in diesem Fall der sozialistischen Matzpen - aufgenommen zu haben. Ein weiterer Unterschied besteht in der Bedeutung des bewaffneten Kampfes. Auch wenn die DFLP hin und wieder durch spektakuläre Guerrillaangriffe - z.B. die Geiselnahme in der israelischen Siedlung Maalot 1974, bei der 24 sraelis getötet wurden - für Schlagzeilen sorgte: Revolutionäre Gewalt hat für sie niemals einen ähnlichen Stellenwert besessen wie für die Volksfront. Die DFLP ist der Ansicht, dass zuerst eine schlagfertige Massenorganisation geswchaffen werden muss und erst dann zu den Waffen gegriffen werden kann. Die Flugzeugentführungen der Volksfront hat sie als "individuellen Terror" rigoros abgelehnt, weil sie schädlich für das Image des palästinensischen Befreiungskampfes seien. Die DFLP konzentriert sich stattdessen auf die politische Basisarbeit, vor allem in den Gewerkschaften und anderen sogenannten "Massenorganisationen" wie Berufs- und Frauenverbänden....Hawatmeh kritisierte sogar, dass die PalästinenserInnen den UN-Teilungsplan vom November 1947 abgelehnt hätten. "Man kann doch nicht ein Volk, das tagtäglich unter der zionistischen Politik und Okkupation leidet, mobilisieren, indem man sagt, Palästina sollte vom Mittelmeer bis zum Jordan befreit werden...Man kann das Volk nur mobilisieren, indem man eine realistische Lösung vorschlägt."

Hoekmann S. 118 ff., die zitierten Äußerungen von DFLP-Chef Naif Hawatmeh sind aus dem Jahr 1973.


Die Diskussionen und Kontaktaufnahmen, die zum Oslo-Prozess führten, kennen viele ProtagonistInnen, zu nennen wären namentlich besonders Hanan Ashrawi, Sumaya Farhat Nasr, der Scheich Husseini, Haim Hanegbi, Michel Warschawski oder Amos Oz. In einer frühen Phase waren die ersten Gesprächspartner einer PLO-Organisation,die mit den israelischen und palästinensischenFriedensaktivistInnen redeten, lange vor der Fatah, Leute von der DFLP.

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@"Man misst im Westen nur gern mit zwei Maßen: einem für die arabischen Staaten und einem für den anderen. In die Schlagzeilen schaffen es vor allem jene Tote, die durch die Armee des letzteren umkamen. Seltsam, nicht?" ---- Nun, ich würde das so sehen: Im Westen sind Araber eigentlich nur dreckige Kameltreiber. Ich erinnere mich gut daran, wie seit 1967 die alten Kameraden, ein Hauptsturmführer dabei, über die Siege der israelischen Armee jubelten und Israel in dem Augenblick, in dem es sich als aggressive Miltärmacht hervortat, plötzlich von den alten Nazis geliebt wurde, während die Palis in der Vorurteilsstruktur an die Stelle der Juden gerückt wurden. BILD feierte damas Mosche Dajan als neuen Rommel, eine Metapher, die sich bis zum 1991er Golfkrieg fortsetzte, als dann den US-geführten Koalitionstruppen bescheinigt wurde, sie hätten wie Rommel gekämpft. Und parallel dazu fingen plötzlich antiimperialistische Linke, die vor 1967 den Kibbuz als neue Form eines basisdemokratischen Sozialismus gefeiert hatten an, Israel als "faschistisch" zu verteufeln und PFLP-Parolen nachzubeten. Von solchen Dämlichkeiten mal ab, die Wahrnehmung von PalästinserInnen und überhaupt Orientalen in den westlichen Medien ist doch eine sehr negative. Ich kann mich erinnern, dass in den 70ern und 80ern "Palästinenser" gleichbedeutend war mit "Terrorist", und als ich in einem Theater einen iranischen Freund suchte und Leute fragte "haben Sie hier vielleicht einen Iraner gesehen, auffallend dunkler Typ, schwarzer Schnauzbart?" kamen so Sprüche wie "immer der Explosionswelle nach!". Das kenne ich so als den deutschen Mainstream.

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Hm, also zumindest in den Medien stellt sich das teilweise auch völlig anders da. Bei Lila gab es dazu vor einiger Zeit Infos über eine entsprechende Studie - ich habe jetzt nur leider keine Zeit, den Link herauszusuchen. Und ich stelle in Gesprächen mit Leuten häufig eine völlig unkritische propalästinensische, deutlich antiisraelische Haltung fest.
Auf der Schlangenfarm hatte ich einen Arbeitskollegen - promovierter Physiker, braves CDU-Mitglied und im Kirchenvorstand -, der regelmäßig damit anfing. Mein Totschlagargument waren dann immer die palästinensischen Christen, denen es unter der Fuchtel von Hamas und Fatah auch nicht gerade gut geht.

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Meine Wahrnehmung ist da diametral anders. Auf der einen Seite militaristische Israel-Bejubler von rechts (Springer-geprägt), dann propalästinensisch-israelkritische Leute mit eher differenzierten Standpunkten im grünnahen Umfeld, richtige knallharte Antisemiten mit ganz rechten Standpunkten oder in der Linken antizionistische, zugleich aber auch antiislamfundamentalistische Positionen (PLO als kleineres Übel) bzw. zeternde Antideutsche, für die jedwede Kritik am Vorgehen des israelischen Militärs schon finsterster Antisemitismus ist. Zwischen diesen beiden extremen Polen aber auch sehr viele sehr vernünftige Leute; eigentlich überwiegen in meiner Lebenswelt die Vernünftigen.


@Medienberichterstattung: Ich finde nicht, dass die besonders propalästinensisch wäre. Eher gewollt zurückhaltend, da man sich als Deutsche/r in diesem Konflikt tunlichst nach keiner Seite aus dem Fenster lehnen sollte. Was zu kurz kommt, sind generell die Menschenrechte. Nirgendwo wird gesagt, dass alle arabischen Staaten, Libanon mal eingeklammert, diktatorische Folterstaaten sind. Aber auch, wie die Zahal palästinensische Gefangene behandelt und z.B.mit Vanunu gemacht hat wird nicht groß thematisiert. Über die soziale Lage in Israel und wie der dauernde Fast-Kriegszustand Land und Leute kaputt macht wird fast gar nicht berichtet.

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@gnihi: Ich habe niemals gesagt, die PFLP hätte irgendetwas für das Zustandekommen des Osloer Abkommens getan. Die DFLP, nicht die PFLP.

Gesagt niemals, nur geschrieben :) (Am 05. Ich necke Sie aber nur: Es ist mehr als verständlich, Monthy Python hatten schon recht.)
Zur Beteiligung der DFLP werde ich dann das Hoekmann-Buch lesen. (Nein, ich habe nichts gegen Offline-Quellen. Die im Internet sind hier nur praktischer, da zur Hand.)

Entebbe und Carlos & Co meinte ich übrigens nicht. Ich dachte an jene, zu denen sich die Organisationen meines Wissens bekannten. Spontan fallen mir zur PFLP etwa Flight SR330 ein oder aus jüngster Zeit Dimona. Eine breitere Auswahl findet sich in den oben verlinkten Seiten.

Die DFLP ist der Ansicht, dass zuerst eine schlagfertige Massenorganisation geswchaffen werden muss und erst dann zu den Waffen gegriffen werden kann.

Hm. Vielleicht könnte man erst eine palästinensische Arbeiterklasse entstehen lassen und die Waffen ganz weglassen?

Die Flugzeugentführungen der Volksfront hat sie als "individuellen Terror" rigoros abgelehnt, weil sie schädlich für das Image des palästinensischen Befreiungskampfes seien.

Da kann ich der DFLP nur beipflichten. Ich würde sogar sagen, es gilt auch für Bombenattentate und Raketenbeschuss (den ich der DFLP damit nicht unterstellen will; ich weiß nicht, ob sie sich da auch engagiert).

Hoekmann S. 118 ff., die zitierten Äußerungen von DFLP-Chef Naif Hawatmeh sind aus dem Jahr 1973.

Im Jahr 2008 verkündet die DFLP:
"Statements by the Israeli army to the press assured that the comrade’s murder was a decision by Zionist Secretary of War, Ehud Barak, in response to the martyr's outstanding role in combat actions against the occupiers and for the DFLP’s daring “Road Toward Palestine” operation, which caused several Israeli troop losses this past August.
(…)
The DFLP, at the time of bidding farewell to its military leader, reaffirms that this crime by Israel will not go unanswered, and it promises to intensify resistance in the face of Zionist aggression until achieving freedom and independence."
DFLP in: "Democratic Front Announces Death of Military Head of Northern Gaza National Resistance Brigades", 20.04.2008
Schade.

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BILD feierte damas Mosche Dajan als neuen Rommel, eine Metapher, die sich bis zum 1991er Golfkrieg fortsetzte, als dann den US-geführten Koalitionstruppen bescheinigt wurde, sie hätten wie Rommel gekämpft.

Auch eine jener ungelösten Fragen: Denken BILD-Journalisten? Wenn ja: Weshalb nur nach Feierabend?

Von solchen Dämlichkeiten mal ab, die Wahrnehmung von PalästinserInnen und überhaupt Orientalen in den westlichen Medien ist doch eine sehr negative.

Das hat etwas. Manche Kreise assoziieren mit ihnen, wie von Ihnen beschrieben, Terrorismus und Mord, andere sprechen ihnen Mündigkeit und Kompetenz ab: meinen nicht, was sie sagen, sind nicht verantwortlich für ihr Handeln, sind grundsätzlich nicht in der Lage, ihre Situation zu ändern, etc. pp. Beides ist geeignet, meine Peristaltik umzukehren.

Manchmal sind die Klischees aber auch belustigend. In meinem Arbeitsumfeld gibt es unter anderem Leute mit arabischem, muslimischem und/oder jüdischem Hintergrund. Bewusst zur Kenntnis genommen haben wir das erst während des zweiten Libanonkrieges: Da wurden die anderen plötzlich so seltsam, und es dauerte eine ganze Weile, bis wir herausfanden, weshalb: Sie warteten darauf, dass wir uns in die Haare kriegen.

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Ja, schade, was aus der DFLP geworden ist, in der Tat. Klischees und so: Während des 1991er-Aufstands in Kurdistan-Irak hätte nicht viel gefehlt, und in meinem Umfeld wären sich Kurden und Palästinenser an die Gurgel gegangen. Weswegen Bild-Journalisten nur nach Feierabend denken liegt aber am Redaktionsstatut und den besonders netten Arbeitsbedingungen und superflachen Hierarchien in diesem Verlag. Deswegen wird nach Feierabend nicht nur gedacht, sondern auch kräftig gebechert.

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@arboretum:
Und ich stelle in Gesprächen mit Leuten häufig eine völlig unkritische propalästinensische, deutlich antiisraelische Haltung fest.

Ich vermute, hat viel mit dem zu tun, was ich als Gefühls-Journalismus bezeichne: Fotos, Leichenzählen (1'000 tote Libanesen vs 100 tote Israelis, wo bleibt die Verhältnismäßigkeit!), Narrative unüberprüft wiedergeben, am besten nur von einer Seite und ohne all die irritierenden Hintergrundinformationen.

Viele meiner Bekannten glauben tatsächlich, Gaza sei vollkommen abgeschnitten, Schauplatz eines Völkermordes und erhalte keinerlei Hilfe. Fragt man sie, wie sie darauf kommen, sagen sie, es sei doch überall zu lesen und zu sehen. Womit sie nicht unrecht haben. Informationen, die nicht in dieses Bild passen, blenden sie allerdings aktiv aus. Das Bevölkerungswachstum zum Beispiel beißt sich überhaupt nicht mit dem Völkermord.

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@che2001:
Weswegen Bild-Journalisten nur nach Feierabend denken liegt aber am Redaktionsstatut und den besonders netten Arbeitsbedingungen …

Das erklärt einiges.
Ohne solchen Anlass gehe ich jetzt auch eins heben und wünsche allerseits einen schönen Abend.

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@Viele meiner Bekannten glauben tatsächlich, Gaza sei vollkommen abgeschnitten, Schauplatz eines Völkermordes und erhalte keinerlei Hilfe. Fragt man sie, wie sie darauf kommen, sagen sie, es sei doch überall zu lesen und zu sehen. Womit sie nicht unrecht haben. Informationen, die nicht in dieses Bild passen, blenden sie allerdings aktiv aus. --- In Gaza ist es tatsächlich schrecklich. Aber eben auch nicht schlimmer als in einem Armenviertel von Karatschi oder Rio, abgesehen davon, dass die bösen Jungs nicht mit Revolvern und abgesägten Schrotflinten, sondern gleich mit Panzerfäusten und Sturmgewehren rumlaufen.

Verglichen mit Baquba oder Bagdad Red Zone ist es nett.

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Für alle vier Vergleichsorte habe ich zu passen: Ich war noch nie dort, Baqubah musste ich nachschlagen. Klingt nicht, als ob ich es erleben möchte.

Waren Sie in letzter Zeit in Gaza? Was haben Sie gesehen und erfahren?

Für das heutige Gaza muss ich mich verlassen auf –wie ging das: meine Frauen und Männer vor Ort? Sie leiden oft enorm unter der Unsicherheit, der Aussichtslosigkeit und dass es für sie fast unmöglich ist, legal über die Grenze zu gehen. Es gebe nur wenige Ausnahmen, z. B. für Patienten, die im Ausland behandelt werden müssen.

Was sie sonst vom Alltag berichten, klingt etwa wie Kairo (außerhalb Maadi und Zamalek), mit weniger Menschen, davon aber viel mehr bewaffnet, nicht zur Zierde. Wirtschaftlich seien viele Haushalte abhängig von Wohltätigkeit. (Wohlhabende gibt es auch, aber die hier beiseite.) Bezahlte Arbeit sei sehr knapp. Von den kleinen Unternehmen, die ich aus der Zeit vor der Zweiten Intifada erinnere, gebe es keines mehr.

Dass keine Lieferungen von außen eintreffen, sei nicht wahr. Das Angebot sei beschränkt, aber man müsse nicht hungern. Manche Dinge, auch benötigte, seien nur auf dem Schwarzmarkt oder über Beziehungen erhältlich, z. B. gewisse Medikamente –zu Preisen, die übel sind, wenn man keine Wahl hat.

Es muss schlimm sein, jetzt dort zu leben, und ich möchte es unter keinen Umständen. Ich bin aber nicht sicher, ob man den Menschen in Gaza einen Gefallen tut mit dem Gebrauch von "Völkermord", "humanitäre Katastrophe" etc., wie sie mir in newsletters und Massenmedien so oft begegnen. Was man zu großzügig einsetzt, könnte sich abnutzen.

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Nein, meine Informationen stammen auch nur von Leuten vor Ort. Zum letzten Mal im Nahen Osten war ich vor mehr als einem Jahrzehnt, habe aber sehr gute Verbindungen. @"Was sie sonst vom Alltag berichten, klingt etwa wie Kairo" ---- Was sie mir berichten auch, genauer gesagt, wie Imbaba. Zum Kontrast habe ich auch Connections in den Irak, und da kann man dann wirklich von "humanitärer Katastrophe" reden (was ist an einer Katastrophe humanitär? Merkwürdige Wortschöpfung.), "Völkermord" würde ich hingegen eher auf das anwenden wollen, was Saddam mit den Kurden tat. Das ist noch einmal eine ganz andere Dimension. Allerdings bahnt sich leider hinsichtlich der christlichen Minderheiten im Nordirak bzw. rund um den Tur Abdin etwas an, das zumnidest tendenziell in diese Richtung geht.

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Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man die Orte miteinander vergleichen kann, weils teils doch sehr verschiedene Problemlagen sind. Vielleicht geht das am ehesten noch in Sachen Sicherheitslage, was ich aber wiederum nicht beurteilen kann.

"Völkermord" würde ich das in Gaza auch nicht nennen. Wohl aber "Geiselnahme der Bevölkerung" bis hin zur bewussten, gezielten und vielleicht auch geplanten Verelendung vonseiten der Hamas und deren "Politik".

"Humanitäre Katastrophe" meint vermutlich eher, dass es sich um eine Tragödie handelt, bei der Menschen direkt betroffen sind (im Gegensatz zur Naturkatastrophe, bei der nicht unbedingt zwingend Menschen betroffen sein müssen).

Bakuba oder Bagdad mögen mit Sicherheit keine Orte sein, in denen man Urlaub machen will, aber so langsam tendiere ich zur Überlegung, dass in 50 Jahren der Afghanistankrieg als wesentlich größere Katastrophe wahrgenommen werden wird. Im Gegensatz zum Irak gibt es dort nicht einmal ansatzweise eine erkennbare Strategie, wann und wie man dort wieder rauskommt (zumindest nicht die nächsten 10-15 Jahre) mit gleichzeitiger Verschlechterung der Lage mit jedem neuen Jahr. Keine tragfähige Zivilgesellschaft (die zumindest im Kein im Irak ein klein wenig vorhanden ist), dazu hat die NATO zu keiner Zeit das Land unter ihrer Kontrolle gehabt und stattdessen Warlords das Feld überlassen. Von so etwas wie "Wiederaufbau" keine Spur, der Mohnanbau floriert wie nie zuvor. Kurz: Ein einziges riesiges Desaster und es ist nicht absehbar, ob und wie das in absehbarer Zeit geändert werden könnte.

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Es tut mir leid für Ihre Bekannten, che2001. Klingt es wie das Imbaba der Wohnungen, jenes der Keller oder das der Schattenmenschen? Leben sie in Gaza selbst oder im Beach Refugee Camp? Wie schaffen sie es, den Kontakt zu Ihnen zu halten?

Die Situation meiner Bekannten ist zum Glück besser. Was sie erzählen, klingt eher nach Mittelschichtsdistrikten in Kairo (nicht: London, Berlin oder Rom): Wohnung mit Küche und Bad, in einem Fall zu sechsen in drei Räumen, aber eben nicht in einer Kammer; Zugang zu Hilfsmittellieferungen, Schulen, Medien, Telefon, Internet. Darüber bin ich auch egoistisch froh, Anlass zu Sorge gibt es ja genug.

Vom aktuellen Irak weiß ich so gut wie nichts. Aus den Lebzeiten Husseins erinnere ich "Republic of Fear" und die Berichte über das Massaker an den Kurden natürlich. Sie fallen auch mir zum Begriff "Völkermord" ein. Eigentlich geht es mir darum: Nicht zu steigernde Begriffe werden für eine Situation verwendet, auf die sie nicht zutreffen, während Ereignisse, für die sie richtig wären, kaum, nur kurz und oft zu spät Öffentlichkeit finden. Den nordirakischen Christen wird es hoffentlich nicht so ergehen.

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Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man die Orte miteinander vergleichen kann, weils teils doch sehr verschiedene Problemlagen sind.

Da haben Sie sicher recht. Es ging mir beim Vergleich auch nicht um die Ursachen. Es ging mir um den Alltag, wie ihn meine Bekannten schildern, und die Diskrepanz zum Bild in den Massenmedien. (Und eigentlich um vermutete Effekte.) Natürlich weiß ich nicht, für wie breite Kreise die Situation meiner Bekannten als "typisch" gelten kann, siehe Che2001s Bekannte.

Afghanistan: Ich habe nicht die leiseste Idee, wer da heute wen warum bekämpft. Das liegt an meiner selektiven Aufmerksamkeit. Ich habe aber den Eindruck, in den Medien tatsächlich relativ wenigen Berichten über die Situation in Afghanistan zu begegnen. Meist nackte Attentatsmeldungen. An bösen Tagen denke ich, was sich nicht eigne für Schwarz-Weiß in drei Absätzen, lande auf Redaktionen per Routine im Papierkorb.

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Auf der Seite 3 des Tagesspiegels gab es im Mai eine Geschichte über Rosenanbau für deutsche Bio-Kosmetik. Dass es nur so wenig Berichte über die Situation dort gibt, liegt vermutlich auch daran, dass dort nur relativ wenige westliche Journalisten unterwegs sind.

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Vielen Dank. Das ist ein sehr eindrücklicher Artikel.
Und jetzt gehe ich nach dieser Rosenbiokosmetik suchen.

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Da muß ich spontan an Gryphius denken:

" [...]Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.[...]"

So ein andauerndes Terraforming kostet halt was...

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Bekomme ich Hausverbot, wenn ich erwähne, dass ich hier nichts mehr blicke?

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Hat Sie die etwas mäandernde Diskussion von Hilfsgeldern für Palästina über Afghanistan und einst arbeitslose Nachbarinnen bis hin zu Praschl und Biokosmetik etwa leicht verwirrt? :-)

Kann man Ihnen nicht verdenken.

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Ja, ein bisschen. Sie behandeln ein breites Themenspektrum. Aber danke der Nachsicht. ;)

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Oha! Was ist denn hier passiert? (Zusammenfassung in drei Sätzen?)

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Nun, Sie sollen sich ja nicht langweilen, Herr(?) patois.

Herr Kristof, hier die Zusammenfassung: Die Palästinenser haben eine Menge nutzloser Geheimdienste und noch viel mehr nutzlose Organisationen, die viele sinnlose Attentate verübt haben, und insgesamt wurde bislang dort ein Haufen Geld nutzlos verbraten. Bio-Kosmetik hat jetzt etwas mit Afghanistan zu tun, das Land zählt aber genau wie Gaza und Irak (da liegt auch die Provinz Baqubah) zu den Orten, wo man nicht wohnen möchte. Es lohnt sich, das alles nachzulesen, den Exkurs zur Nachbarin und Peter Praschl können Sie aber auch überspringen.

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Ah danke. Ich sollte mir vielleicht die relevanten Stellen ausdrucken ... :)

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