Sonntag, 30. September 2007
It's so quiet in the ruins (I)

Nachdem sie das Werk geschlossen hatten und die letzten Arbeiter fortgegangen waren ...

... kamen die Vandalen.

Manche von ihnen hatten zumindest Sinn für Poesie.


Nun ist hier alles still. Nur die Bäume sind da.

Und manchmal, wenn das Wetter gut ist, kommen auch Schneeeulen hierher.

Fortsetzung folgt.
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Samstag, 29. September 2007
Und geduldig tragen alle Krankheit
Laudate sia, mio Signore,
per quelli che perdonano
per lo tuo amore
e sostengono infirmitate
e tribulazione.*
- Le Laudi. Der Sonnengesang des heiligen Franziskus -
Mitte Juli fingen die Schmerzen an, kurz bevor der Urlaub mit meiner älteren Schwester vorbei war. Meine Mutter ist hart im Nehmen, doch es gab Tage, da konnte sie sich kaum rühren. Spritzen und Schmerztabletten halfen nur bedingt, und auch der schöne Physiotherapeut konnte den Schmerz nicht lindern. Am vergangenen Donnerstag bestätigte sich der Verdacht des Orthopäden, zu dem sie schließlich gegangen war: Meine Mutter hat eine bakterielle Wirbelentzündung. Die Ursache mag eine vor langer Zeit verschleppte Grippe gewesen sein, wer weiß das schon.
Früher behandelte man das mit viel Antibiotika, Gipsbett und Ruhe - doch die Schmerzen würde sie nicht mehr los, sagte ihr der Spezialist. Es könne bis zu einem Jahr dauern, sagte ihr der Orthopäde. Und es würde immer ihre Schwachstelle bleiben. Ein Jahr lang Schmerzmittel und Antibiotika schlucken und obendrein noch immerzu im Bett liegen und nichts machen können, da bekomme ich ja einen Rappel, sagte meine Mutter. Also willigte sie ein in die Operation am kommenden Donnerstag, bei der sie ihr die entzündete Bandscheibe entfernen und mit einem Stück vom Beckenkamm die unteren Lendenwirbel versteifen werden.
Als sie an jenem Nachmittag dann allein zu Hause am Esstisch saß, hat sie geweint. Gestern am Telefon sagte sie mir dann, wie froh sie ist, dass die Ärzte sie noch mit mir in das Konzert gehen lassen. Dann werde ich von der schönen Musik erfüllt in die Klinik gehen. Es wird schon alles gut werden, sagt sie, und macht schon bald darauf wieder Pläne.
Ich bewundere ihre Tapferkeit. Und hoffe im Stillen, dass auch ihr Herz stark genug ist für diese große Operation.
* Dich preisen alle, hoher Meister, / die deine treuen Jünger sind / in verzeihender Liebe /
und geduldig tragen alle Krankheit und / ungemessene Qualen.
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Mittwoch, 26. September 2007
Mondkuchen

Heute ist übrigens Mondfest.
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Samstag, 22. September 2007
Freiheit statt Angst

Die meisten, die sich am Bahnhof eingefunden haben, dürften so um die 20 sein. Die Antifaschistische Aktion hat ein Transparent gemalt und ihre Fahne mitgebracht, auch die Grüne Jugend zeigt Flagge. Ich gehöre zu den wenigen, die schon über 30 sind, immerhin entdecke ich auch ein paar Altlinke und sogar Attac-Omis. Zwei Mädchen haben sich Pace-Fahnen um die Hüften geschlungen, später werden die beiden wie Cheerleader der Demo vorneweg tanzen und unermüdlich Parolen skandieren.

Ein schwarzer Mops beweist ebenfalls eine klare Haltung gegenüber dem Bundesinnenminister: Er kratzt sich ausdauernd hinter dem Ohr. Ich bin so fasziniert von seinem politischen Bewusstsein, dass ich glatt vergesse, ihn zu fotografieren. Am auffälligsten ist aber die Piratenpartei. Viele Passanten halten die jedoch für einen Fanclub von St. Pauli. Mit jugendlichem Enthusiasmus sprechen ihre Demo-Ordner die Vorbeilaufenden an, verteilen eifrig ihre Leporellos und bitten um Unterschriften, die sie für die Zulassung zur Landtagswahl brauchen.

So stehen wir vor dem Hauptbahnhof herum, bis einer zum Megaphon greift und die Demonstranten erst einmal freundlich begrüßt. Wir haben gerade mit Berlin telefoniert, sagt der Typ im gelben T-Shirt, der Platz vor dem Brandenburger Tor ist voll. Die Menge klatscht und jubelt.

Jetzt zur Demo-Route, sagt er dann. Wir gehen die Allee entlang, die große Straße hoch zum Platz, und da stehen wir noch ein bisschen herum. Alles lacht. Klingt doch nach einem prima Plan.
Also, dann können wir jetzt losgehen, sagt er - oder wartet noch irgendwer auf irgendjemanden? Wieder Gelächter. Endlich geht es los. Aber schon nach wenigen Metern renne ich beinahe meinen Vordermann um. Die Spitze unseren kleinen Demonstrationszuges bleibt plötzlich mitten auf einer Verkehrsinsel stehen: Die Fußgängerampel zeigt gerade rot. Unwillkürlich muss ich grinsen, so was hätte es in meiner Jugend auf einer Demo nicht gegeben. Mensch, sind wir brav, sagt einer der Abiturienten neben mir. Wir grinsen beide.
Unser Häuflein latscht die Allee entlang, zögerlich rufen einige ein paar Parolen. Doch sobald der Typ mit dem Megaphon still ist, lässt auch der Elan der Demonstranten nach. Da nützt es auch nichts, dass die beiden Cheerleader unermüdlich rufen und im Hüpfschritt vorneweg marschieren. Jemand sagt dem im gelben T-Shirt, dass er doch lieber den Mädchen das Megaphon geben soll, aber er reagiert nicht und schont weiter seine Stimme.
In Berlin ist es bestimmt geil, sagt einer der Demo-Ordner. Bei so vielen Leuten ist die Stimmung viel besser. Ja, sagt der hübsche Junge neben ihm. Aber das wäre zu weit gewesen, ich habe so schon 13 Euro bezahlt, um hierher zu kommen.
An der nächsten großen Kreuzung hupen ein paar Autofahrer, das bringt die Menge in Schwung, laut schallen die Parolen. Es hält aber nicht lange vor. Immerhin, als wir die große Straße hoch laufen, schließen sich zwei Männer über 40 spontan der Demo an.

Bald darauf haben wir den Platz erreicht, auf dem wir noch ein bisschen herumstehen wollen. Die Menge lässt sich gemütlich nieder, aus der ein oder anderen Ecke riecht es süßlich, vor allem bei den Punks. Zumindest das hat sich seit damals nicht geändert. 80 bis 100 Leute zähle ich, aber Jusos habe ich immer noch keine entdeckt. Das scheint das Problem zu sein, einfach zu unauffällig, diese Partei. Oder sollten etwa gar keine gekommen sein?
Jemand steigt auf eine Parkbank und hält eine lange Rede. Lang, wegen der vielen Denkpausen zwischendurch, so dass man nie weiß, ob es das nun war oder noch nicht. Danach meldet sich nochmals der Typ im gelben T-Shirt zu Wort. Er freut sich, dass doch so viele Leute zur Demo gekommen sind. Schließlich hätten sie vom Chaos Computer Club erst eine Woche zuvor die spontane Idee gehabt, auch eine "Freiheit statt Angst"-Demo zu veranstalten. Wir dachten, sagt er, dass wir dann hier zu zehnt im Regen stehen würden und hinterher vielleicht noch ein Bier trinken gehen. Aber nun war das Wetter schön, und es kamen viel mehr Leute, als wir erwartet hatten. Ein Bier gehen wir jetzt trotzdem noch trinken, sagt er und steigt wieder von der Bank.
Eindeutig der bessere Redner, sage ich zu dem Paar neben mir. Die beiden sind ungefähr in meinem Alter und finden das auch. Allmählich löst sich die Menge auf, nach einer guten Stunde ist die Demo auch schon wieder vorbei.
Sorry, hat jetzt doch etwas gedauert, bis ich dazu kam, es zu erzählen. Gestern schien halt auch die Sonne so schön.
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Dressed to kill win

Heute Abend gehe ich mit dem Karo König ins Casino.
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Mittwoch, 19. September 2007
Non vitae, sed scholae discimus
Eigenartig wie einen das Hirn des Nachts nach so langer Zeit ab und an nochmals in die Schule verschleppt und einen zur Latein- oder Chemieklausur schickt. Stets trifft es einen völlig unvorbereitet, alle anderen scheinen vorab Bescheid gewusst zu haben, nur man selbst nicht. Selbstredend stellen sich sofort dieselben Beklemmungen wie früher ein. Es sind auch nie die Fächer, in denen man gut war, jedenfalls bei mir ist das so. Mir fällt dann auch nie ein, dass ich Abitur und Studium schon lange hinter mir habe und deshalb gar nicht mitmachen muss, sondern mein Hirn weckt mich immer gerade noch rechtzeitig, bevor es wirklich losgeht.
Obwohl ich übrigens den Lateinunterricht sogar noch ein halbes Jahr länger durchgehalten habe als für das Große Latinum nötig war, habe ich alles verdrängt. Ich kann heute nicht einmal mehr Grabinschriften übersetzen.
Obwohl ich übrigens den Lateinunterricht sogar noch ein halbes Jahr länger durchgehalten habe als für das Große Latinum nötig war, habe ich alles verdrängt. Ich kann heute nicht einmal mehr Grabinschriften übersetzen.
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Dienstag, 18. September 2007
Fragen der Menschheit (IV)
Habe ich etwas verpasst oder hat der Innenminister heute noch gar nicht vor den Terroristen gewarnt und irgendwelche seltsamen Gesetze gefordert?
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