Sonntag, 29. Juni 2008
Süßes von oben


Im Kalten Krieg zielte eine SS-22 darauf, die irgendwo in einem sowjetischen Silo stand. Damals hieß das Gelände noch nicht Airfield, sondern Airbase. Der U.S. Airforce hatte es bis 1976 sogar als europäisches Hauptquartier gedient. Und so lebten die Einheimischen stets in der Gewissheit, keinen Atomkrieg überleben zu müssen.

Auch die heißen Kriege brachte es den Einheimischen quasi vor die Haustür, denn bei der Logistik der Kriege in Korea, Vietnam und dem Irak spielte der Flugplatz eine wichtige Rolle. Wann die Amerikaner zu den Waffen griffen, wussten die Leute im Rhein-Main-Gebiet immer schon bevor es in den Nachrichten kam. Das tiefe Brummen der Transportmaschinen in den Nächten zuvor sagte ihnen alles.

Von diesem Flugplatz starteten einst aber auch die Rosinenbomber nach Berlin.

Fortsetzung in den Kommentaren.

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Auf dem Airfield feierten sie die deutsch-amerikanische Freundschaftsfeste, nachdem die US Army die Camps in der Stadt geschlossen hatte. Doch seit dem 11. September 2001 blieben die Tore für die Einheimischen hermetisch verschlossen. Zum 60. Jahrestag der Luftbrücke machen die Amerikaner aber eine Ausnahme.



Grund genug, mich auch auf den Weg zu machen. Die Straße zum Flugplatz ist für den Autoverkehr gesperrt, ich nehme daher einen der Pendelbusse. Am Eingang stehen die Besucher schon Schlange, die Sicherheitskontrollen sind streng.



Die Wachen schauen in jede Handtasche und suchen alle mit Metalldetektoren ab. Die amerikanischen Militärpolizisten haben sich dahinter aufgebaut. Sie blicken wie immer drein: So, als habe man gerade Fort Knox ausgeraubt.



Trotz der Warnschilder an den Zäunen, die das Fotografieren unter Androhung des Gebrauchs von Schusswaffen verbieten, sind Kameras aber erlaubt. Vielleicht gehört auch das zum Spirit heute.



Flugschauen veranstalten sie aus gutem Grund seit 20 Jahren nicht mehr. Trotzdem haben sie hier einiges aufgefahren.



Klar, die Bundeswehr lässt sich so eine Gelegenheit natürlich nicht entgehen, für sich Werbung zu machen.



Die haben gleich auch noch einen Stand aufgebaut, wo sie fleißig Prospekte und anderen Kram an kleine Jungs verteilen.



Mit denen hätte ich hier allerdings nicht unbedingt gerechnet. Eher mit den Briten.



Ich streune ein bisschen umher. In einem Hangar spielt eine ziemlich gute Band.



Beim Quiz des amerikanischen Konsulats gewinne ich ein Buch. Across The Wide And Lonesome Prarie, das fiktive Tagebuch der elfjährigen Hattie Campbell auf dem Oregon Trail 1847. Ich nehme meine Beute und gehe weiter.

Allmählich füllt sich das Gelände.



Fortsetzung folgt.

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Seit dem Ramstein-Unglück arbeiten die amerikanischen Rettungskräfte mit den deutschen zusammen. Die Feuerwehr bekommt hier heute jedoch nichts zu tun.



Nur die Sanitäter sammeln später einmal jemanden ein, der bei der Hitze umgefallen ist. Der AFN ist selbstverständlich auch hier und sendet stundenlang live. Serving America's Best.



Früher warben sie mit der besten Musik aus den 70ern, 80ern und 90ern, später spielten sie angeblich die beste Musik des Universums. Diese Slogans haben die deutschen Radiosender dann kopiert. Jetzt müssen die sich wohl mal selbst etwas einfallen lassen.

Ein paar Schritte weiter serviert Care an einem Stand Corned Beef und sammelt Spenden. In Berlin, so las ich in der Zeitung, mochte niemand vom Senat an den offiziellen Feiern des 60. Jahrestags teilnehmen. In Wiesbaden hingegen ehrte man die wenigen noch lebenden Veteranen der Luftbrücke mit einem Empfang und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Bei der Luftbrücke kamen 41 Briten und 31 Amerikaner ums Leben.



Als ich die Pakete sehe, fallen mir sofort die Kindheitserinnerungen meiner Eltern und die Geschichten meiner Großmutter ein.



Die beiden GIs in historischen Uniformen schwitzen bestimmt ganz schön. Dennoch lassen sie sich nichts anmerken, stundenlang posieren sie für Fotos. Sie dürften auf zigtausend Aufnahmen zu sehen sein.



Ja, so sahen sie damals aus, wird später meine Mutter dazu sagen. Nur dass die ersten amerikanischen Soldaten, die wir überhaupt sahen, schwarz waren.

Fortsetzung folgt.

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Ich schlendere weiter Richtung Tower.



Und frage mich, ob dieses Schild immer hier steht.



Eine Frage, die sich bei diesem Radom nicht stellt.



Einige der Hangars sieht man auch von der Autobahn aus.



Die Sonne knallt ganz schön, eigentlich hätte ich jetzt Lust auf ein Eis.



Gibt es aber nur in "amerikanischen" Portionen - wie soll denn einer allein ein ganzes Pfund Eis auf einmal auffuttern? Also kein Eis. Schade, mir war gerade so nach einem Erdbeereis. Stattdessen stelle ich mich an der Schlange vor diesem Walfischmaul an.



Fortsetzung folgt.

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Dauert noch, bis es weitergeht. Heute habe ich lauter Denkmäler angeschaut und bin auf Baugerüsten herumgeturnt. Ich weiß jetzt einiges über die Sanierungsarbeiten an der Alten Oper und habe noch mehr darüber schon wieder vergessen. Und morgen fahre ich nach Fulda.

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Nachtrag für Herrn Kristof: Pffff. Zwischendurch muss man halt auch mal Suppe kochen. Und das hier ist auch noch nicht fertig.

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Ah, haha, nette Serie.

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Nicht hetzten lassen :)

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amerikan eiskkrem
das bleibt...

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Die Amerikaner wohl auch. Es heißt, sie verlegen das Hauptquartier ihrer Europäischen Landstreitkräfte dorthin. Dann werden von denen keine Herzen mehr in Heidelberg verloren.

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Danke für den Link zu dem Eintrag. Das Bild von den C.A.R.E.-Paketen mit den Punkten hinter den Buchstaben hat mich gerade dazu gebracht, nachzugucken, warum die so heißen. War mir vorher gar nicht klar, dass das nicht (nur) von care kommt. "Cooperative for American Remittances to Europe". Care-Paket ist ein toller Name dafür und eine tolle Sache sowieso. Und die alten Flieger sind auch beeindruckend. Wie alte große Nilpferde schauen manche aus.

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Ich muss unbedingt mal die Innenaufnahmen von dem großen Walfisch-Flugzeug veröffentlichen, hochgeladen hatte ich die Fotos damals schon.

Sie haben damals übrigens wieder Süßigkeiten abgeworfen, aber ich habe keines der Taschentuchschirmchen gefangen. Die Pressesprecherin der Garrison erzählte mir damals, dass sie sich eigens bei Gail Halvorsen („Onkel Wackelflügel“), erkundigt hatten, wie er damals die Schirmchen aus Taschentüchern gebastelt hatte.

Halvorsen und die meisten anderen noch lebenden Veteranen waren übrigens auch dort.

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toll...!!! Das müssen die schönsten Momente seines Lebens gewesen sein. Wie alle ungläubig nach oben geguckt haben, als die Taschentuchschirmchen gesegelt kamen. Wie im Märchen.

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Im Inneren des Wals






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Candy Drop


Gail Halverson ist eigens zur Feier gekommen.



Diesmal wirft er die Süßigkeiten aber aus einem Hubschrauber.



Ich bin schon zu groß, deshalb darf ich nicht aufs Rollfeld, um eins der Fallschirmchen aufzusammeln.

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Wow und schade um so ein Fallschirmchen. : )

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wie toll! Der echte, 98 Jahre alte Gail Halvorsen war im Hubschrauber???

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Das sind die nachgetragenen Fotos aus dem Jahr 2008, als der Beginn der Luftbrücke vor 60 Jahren gefeiert wurde. Ich hatte Ihnen doch angekündigt (s.o.), die noch nachzuliefern und nun gemerkt, dass ich das vergessen hatte. Halvorsen war damals 87, er hat ja im Oktober Geburtstag.

Dieses Jahr war Gail Halvorsen aber zur Feier des Endes der Luftbrücke vor 70 Jahren auch wieder da - genau wie ich. Fotos folgen noch, wenn ich etwas mehr Luft habe. Diesmal waren auch einige echte Rosinenbomber in Einsatz, um Süßigkeiten abzuwerfen.

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aber der Zeitpunkt für den Nachtrag ist perfekt gewählt! Die von dem diesjährigen Jubiäum können dann gut und gerne zum 70-jährigen der Luftbrücke präsentiert werden. Zehn Jahre nach einer Aufnahme kann man es selber noch mehr würdigen.

P.S. sehe gerade ich habe 2011 auch schon mal hier unter der Geschichte kommentiert. Eben fielen mir wieder die C.A.R.E.-Pakete ins Auge, fast hätte ich was dazu geschrieben, das ist so schön mit der Beschriftung. Und dann erst habe ich meinen eigenen alten Kommentar dazu gesehen.

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Ganz so lange wird es hoffentlich nicht dauern. Die diesjährige Veranstaltung war der Anlass, nochmals das Posting von 2008 anzuschauen.

Ja, die C.A.R.E.-Pakete brachten Sie drei Jahre später hierher - die Organisation gibt es immer noch, seit 1980 sogar einen deutschen Ableger. Auf deren Website ist nachzulesen, welche Rolle C.A.R.E. bei der Berliner Luftbrücke spielte. Was in den Paketen drin war, steht dort auch.

Kennen Sie aus Ihrer Familie auch Geschichten von C.A.R.E.-Paketen?

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Das ist ein Abschnitt, diese Mitte bis End-Vierziger Jahre, zwischen Kriegsende und dem Beginn des Wirtschaftswunders, der in meiner Familie so sehr mit den Folgen der Vertreibung aus Karlsbad verbunden ist, da war viel Sprachlosigkeit. Ein Teil der Familie ist zwar auch in Berlin gelandet und hat sich durch Heirat mit Urberlinern verbunden, Familie gegründet, aber da bin ich nicht so hautnah dran.

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Verstehe. Trauma macht häufig stumm.

Die Familie meiner Mutter flüchtete Ende Januar 1945 aus Westpreußen, mein Vater war Halbwaise, die haben in den Nachkriegsjahren alle sehr gehungert. Aber ab und an bekamen sie ein Care-Paket und die Kinder dann später in der Schule Quäkerspeisung. Gail Halvorsen ist kein Quäker, sondern Mormone. Nach dem Tod seiner ersten Frau, die er auf dem College kennenlernte und mit der er beinahe 50 Jahre verheiratet war, heiratete er 2004 seine Jugendliebe aus der High School-Zeit.

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wenn man sich umhört, scheint jeder Zweite eine ähnliche Geschichte in der Familie zu haben. Die unseligen Weltkriege hinterlassen so viele Spuren über mehrere Generationen. Das ist eine Binsenweisheit, aber dennoch dämmert einem das Ausmaß meistens erst im reiferen Alter. Wir hatten hier ja auch schon viel Austausch über vererbtes Trauma. Mir geht es übrigens auch persönlich durchweg so, dass ich je tiefer eine Verletzung oder ein Schmerz ist, umso weniger darüber kommunizieren will. Teils, weil es mir die Sprache verschlägt, als wäre es wie Erbrechen darüber zu sprechen, ein grausamer Akt. Teils, weil ich es als unangemessene Ehrung des Grauens empfinde. Ich möchte das nicht noch auf einem Sockel in meinem kleinen Reich stehen haben.

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Ja. Und wenn man bedenkt, wie sehr die Menschen in den Nachbarstaaten Deutschlands und Österreichs litten, grenzt es an ein Wunder, dass sie überhaupt wieder mit uns reden. Wie mich auch die Großmüitigkeit der - oft noch sehr jungen - GIs beeindruckt, die 1944/45 auch einiges erlebt und KZs befreit hatten und doch deutschen Kindern die Schokolade und Kaugummis aus ihren eigenen Rationen schenkten.

Gail Halvorsen war auch erst 22, als er als bereits ausgebildeter Pilot zur US Air Force eingezogen und über dem Südatlantik eingesetzt wurde, und gerade mal 25 Jahre, als die Luftbrücke begann und er dann im Juli jenen Berliner Kindern am Zaun begegnete, ihre Fragen beantwortete und ihnen seine zwei Kaugummistreifen schenkte, die er dabei hatte.

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Das ist der amerikanische Spirit, dieser Grund-Optimismus, nach vorne zu schauen und an das Gute zu glauben. Der Pioniergeist im menschlichen Umgang. Jedem einen Neuanfang zu ermöglichen. Und wer kann ein Kind, junge Menschen in Sippenhaft nehmen.

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