Montag, 31. März 2008
Lenorfrau
Mein schlechtes Gewissen befiehlt mir, erst alle Briefe und E-Mails zu beantworten, bevor ich wieder blogge. Da das aber alles lange Briefe und E-Mails werden müssen, schließlich liegen die schon sehr, sehr lange unbeantwortet hier herum, zieht sich das hin. Außerdem gehe ich mir gerade etwas selbst auf die Nerven, weil alles nicht so flutscht, wie ich mir das wünsche. Keine Synchronizität, Mist.

... link ... 32-faches Echo   ... comment


Montag, 24. März 2008
Mag es auch schneien

So close your eyes
Open your heart
To one who's dreaming of you
You can never hold back spring

- Tom Waits: You can never hold back spring -

An den Frühling kann man ja immer noch glauben, schreibe ich Dir, leichter jedenfalls als an die Liebe.

... link ... 10-faches Echo   ... comment


Sonntag, 23. März 2008
Schöner wohnen
Stell’ Dir vor, ich habe eine neue Wohnung, verkündet die beste Freundin gutgelaunt. Sie hatte schon eine ganze Weile gesucht, Anzeigen aufgegeben, sich mit Maklern getroffen und auf Chiffre-Anzeigen beworben. Vergeblich. Dann sah es zwischendurch sogar so aus, als müsste sie wegen des Jobs nach Köln ziehen - umso mehr freue ich mich jetzt über diese Neuigkeit.

Die neue Wohnung ist schräg gegenüber meiner alten, erzählt die beste Freundin weiter. Sie ist nur etwas größer, hat zwei Zimmer und kostet unschlagbare 350 Euro kalt. Kein Balkon diesmal, aber in der Küche kann man die Füße aufs Fensterbrett legen und in den Hinterhof gucken, das tut’s auch. Leider ohne Aufzug, aber bis in den zweiten Stock müsste ich es noch schaffen. Was Dein Herzlein erfreuen wird: Der erste Cellist des Staatstheaters hat dort eine Zweitwohnung. Ich weiß nicht, wie alt der Typ ist, aber Musiker passen doch in Dein Beuteschema, da schicke ich Dich mal hin, eine Tasse Salz ausleihen.
Die beste Freundin lacht.

Das ist aber fürsorglich, dass Du bei Deiner Wohnungswahl auch gleich noch an mich denkst, sage ich und grinse. Wie bist Du denn da so plötzlich herangekommen?

Zufall, sagt die beste Freundin. Auf dem Heimweg vom Bahnhof bin ich vorige Woche an einem Aushang „Wohnung zu vermieten“ vorbeimarschiert. Ich habe angerufen und keine 15 Minuten später schon die Wohnung angeschaut. Und weißt Du, warum ich sie bekommen habe? Nicht, weil ich diesen spießig-seriösen Job in der Knochenmühle habe, nein, nein. Sondern weil ich Historikerin bin!

Da war ja das Studium doch mal zu was gut, scherze ich.
Als der Vermieter das hörte, hat er mir sofort den Mietvertrag mitgegeben, erzählt die beste Freundin dann. Dabei wollte er sich noch 16 andere Bewerber anschauen. Aber der fand das sehr interessant, er ist nämlich in einer historischen Gesellschaft aktiv. Ich habe ihm schon mein Bücherregal für diesen Verein versprochen, ich kaufe mir eh ein neues. Zwar habe ich noch keine Ahnung, wie ich die neue Wohnung einrichten will, aber eins steht schon fest: Eine Wand im Schlafzimmer lasse ich in einem hellen Pfauenblau mit Goldsprenkeln anstreichen. Das habe ich mal in Paris gesehen, sieht ganz toll aus. Du musst es Dir vorstellen wie eine Mischung aus französischem Schloss und usbekischem Bordell.

... link ... 13-faches Echo   ... comment


Mittwoch, 19. März 2008
Ich erinnere mich, um zu vergessen
Morgen ist der Jahrestag der politischen Lüge. Dem Aufruf der Peter-Weiss-Stiftung zur weltweiten, öffentlichen Lesung von Lu Xuns Essay "Ich erinnere mich, um zu vergessen" ist hier in der Gegend offenbar niemand gefolgt.
Zum Glück gibt es den Text auch online, dann lese ich ihn mir eben selbst vor.

... link ... 4-faches Echo   ... comment


Samstag, 15. März 2008
Rätselhafte Phänomene (III)
Die Karriere von Ulf Poschardt. Bekommt als Chefredakteur in der Regel nicht wirklich etwas gerissen, aber hinterher immer wieder einen Job.

... link ... 7-faches Echo   ... comment


Montag, 10. März 2008
Hexenküche (II)
Beim Kochen habe ich heute anscheinend ungewollt ein paar chemische Reaktionen in Gang gesetzt, jedenfalls musste ich beim anschließenden Abwasch feststellen, dass zwei Töpfe jetzt nicht mehr so aussehen wie zuvor.

In dem Emailtopf* haben die ungeschälten Topinamburknollen sichtbare Spuren hinterlassen, ich habe eifrig geschrubbt, aber die Abdrücke lassen sich nicht abwaschen. Viel schlimmer als diese Topinamburschatten im Emailtopf sind aber die klebrigen Schlieren, die die frischen Schwarzwurzeln im Edelstahltopf hinterlassen haben. An dem klebt jetzt an verschiedenen Stellen etwas, das zähem Kaugummi oder Etikettenklebstoff ähnelt. Hölle! Wie bekomme ich das jetzt wieder ab? Ich kann ja schlecht den Topf voll Waschbenzin auf den Gasherd stellen.

Und warum haben mich zu Schulzeiten eigentlich meine Chemielehrerinnen vor solchen Effekten nie gewarnt? (Statt mich heute noch in Träumen heimzusuchen.)

* Email-, nicht E-Mailtopf - so ausgefallen koche ich nun doch nicht.

... link ... 22-faches Echo   ... comment