Montag, 7. Januar 2008
Er nicht
"Ich hatte daher keiner Partei angehört und hielt es auch gerade für einen Richter nicht für richtig, sich auf eine Partei festzulegen. Dies galt für mich auch noch nach dem 30.1.33, als zwar die anderen Parteien beseitigt wurden, aber nicht ihre Anhänger verschwanden. Dem teils ziemlich opportunistischem Zustrom zur NSDAP im Frühjahr 1933 - "Märzgefallenen" - mich anzuschließen, war ich auch zu stolz und wünschte umsomehr, jeden ähnlichen Anschein zu vermeiden, als ich im Dezember 1932 Mitglied eines Sondergerichtes und nach dessen vorzeitiger Aufhebung im Januar 1933 Untersuchungsrichter in einem großen Komplex von Strafverfahren gegen die schlesische SA gewesen war."

Für diese Haltung bin ich meinem Großvater zeitlebens dankbar. Heute wäre sein 105. Geburtstag gewesen.

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Emotionales Obst
Der Supermarkt bietet israelische Avocados feil. Auf dem Schild steht:
"Sorte: Hass". Unwillkürlich muss ich lachen.

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Montag, 7. Januar 2008
Ich will auch 'mal
Wann gibt es eigentlich endlich einen Tatort, in dem Schneekugelmacher die Bösen sind?

Ich habe zwar keinen Fernseher, aber ich will mich hinterher auch 'mal öffentlich beschweren können.

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Abschiede
Zwei Abschiede innerhalb von zwei Tagen: Bluesky auf ungewisse Zeit, die Nordlichter womöglich endgültig. Beide werden mir fehlen.

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Deutliche Worte
Heute ist zwar Sonntag, dennoch möchte ich den Freitag empfehlen, genauer gesagt, diesen Artikel: Das Internet als Ausrede.

Martin Böttger schreibt darin, die Sorge deutscher Verlage vor der Konkurrenz durch Fernsehen und Internet bemäntele Ideenlosigkeit. Recht hat er.

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Dienstag, 1. Januar 2008
Vollmundiges Versprechen
Das Jahr war noch das alte, als mir das neue ein vollmundiges Versprechen gab: 2008 wird mein Jahr! verkündigte es mir in goldene Lettern auf tintenblauen Glanzkarton, den ich in meinem Zeitungsfach fand.

OK, 2008, dann sieh’ bloß zu, dass Du dieses Versprechen auch hältst. Deine Vorgänger 2005, 2006 und 2007 waren nämlich nicht allzu dolle.

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Montag, 17. Dezember 2007
Tapferes Löwenmäulchen


17. Dezember und es blüht immer noch. Damit es nicht so alleine ist, habe ich ihm gestern zur Gesellschaft ein paar Tannenzweige in den Blumenkasten gesteckt. Husarenknöpfchen und Elfenspiegel harren auch noch aus, sie liegen allerdings in ihren letzten Zügen.

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Sonntag, 16. Dezember 2007
Adieu bye-bye paka


Sie begrüßten mehrsprachig die Gäste und lobten stets die Stadt. Sie gaben vielen ein Zuhause und nützten auch der Staatssicherheit. Später dann, da standen sie schon eine Weile leer, dienten sie noch als Filmkulisse.
Nu sind sie weg. Nach 39 Jahren.
Fotos vom Abriss der Häuser am Brühl zeigen das abvmoblog und Frank Eritt.

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Freitag, 30. November 2007
A Passage from India
Im dünnen Sari stand sie vor der Tür, mitten im November. Es war Buß- und Bettag, wir wollten gerade aufbrechen, meine Großmutter hatte uns zu ihrem Geburtstag eingeladen. Im Flur kramte meine Mutter schon nach ihren Handschuhen, als es klingelte. Ich öffnete die Tür. Draußen stand die fremde Frau im hellgrünen Sari, ohne Jacke, ohne Mantel.

Ich weiß nicht, wie sie den Weg zu uns gefunden hatte, eigentlich wollte sie eine Messe besuchen. Hier gäbe es keine katholische Kirche, sagte ich ihr auf Englisch, was sie sehr bekümmerte. Die nächste fände sich erst im Nachbarort, drei Kilometer entfernt.

Wie sich später herausstellte, stammte sie aus New Delhi. Mit 16 Jahren hatte sie geheiratet, ihr Mann, nur wenige Jahre älter als sie, starb jung, mit 19 war sie schon Witwe. Jetzt war sie 27, arbeitete als Telefonistin und träumte von einer eigenen Familie. Doch selbst als Katholikin hatte sie in Indien keine Chance, jemals wieder zu heiraten.

Über eine Heiratsanzeige hatte sie den Deutschen kennen gelernt, der ihr das Flugticket schickte. Als sie im September hier ankam, sagte er ihr jedoch, er könnte sie nicht heiraten: Sie wäre ihm zu schwarz.

Seine Ehefrau hatte ihn erst kurz zuvor verlassen, jeden Tag stritt die mit ihm und forderte Geld. Die beiden Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, lebten weiter beim Vater. Um die musste sich Mrs. Davis nun kümmern und um den Haushalt auch. Niemand sprach es vor uns drei Mädchen laut aus, aber wir beiden älteren ahnten, dass ihre Hautfarbe nachts keine Rolle spielte. Ein Rückflugticket besaß sie nicht, genug Geld, sich eins zu kaufen, auch nicht. Der Kerl hat ihr noch nicht einmal eine Briefmarke gegeben, damit sie ihrem Bruder schreiben kann, sollte meine Mutter später jedes Mal sagen, wenn die Rede auf den Mann kam, für den Mrs. Davis in New Delhi alles aufgegeben hatte.

An ihrem ersten freien Tag hatte sie in die Messe gehen wollen. Zwei Tage später zog sie bei uns ein.

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